Berlin-Kreuzberg

Zentrum Flucht Vertreibung und Versöhnung

Umbau und Erweiterung des Deutschlandhauses für das Ausstellungs- und Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

~Ulf Meyer

Der Gebäudekomplex am Askanischen Platz wurde ab 1931 von Richard Bielenberg und Josef Moser als Europahaus erbaut und nach Kriegsschäden in Teilen wiederhergestellt. In der Ära Adenauer wurde er zur »Pflege der ostdeutschen Kultur« bestimmt und einer Organisation der Heimatvertriebenen übergeben, ab 1974 unter dem Namen Deutschlandhaus. Die Landsmannschaften des Bundes der Vertriebenen hatten hier ihre Büros – bis Ende 1999 ihre Förderung eingestellt wurde.

Nach dem neuerlichen Komplettumbau sind vom Bestandsgebäude die beiden L-förmig zueinanderstehenden Flügel mit ihren denkmalgeschützten Fassaden erhalten geblieben und darin die historischen Holz-Täfelungen im von der Straße aus zugänglichen Museums-Shop und -Café. Der durch ein Glas-Band im Dach abgesetzte Neubau liegt im Zwickel und vervollständigt den Grundriss nahezu zum Quadrat.
Im Zentrum steht ein Saal mit zwei großen Fenstern, der im 1. OG mit einem Panoramablick auf das Zentrum von Berlin glänzt – sobald die Ausstellung aufgebaut ist, werden allerdings schwarze Vorhänge die Fenster verschließen; dann muss der Raum mit seiner Kargheit und Beton-Ästhetik wirken. Im Sockel befinden sich tageslichtlose Flächen für Sonderausstellungen.

Zur Abfolge zweier imposanter Treppen gehören eine breite Freitreppe, die leider quer zum Eingang verläuft – diese unorganische Besucherführung ist einer Verlegung des Eingangs während des Umbaus zur höher frequentierten Straße geschuldet – und eine elegante Wendeltreppe, die das nächstobere Stockwerk mit der Ausstellungshalle erschließt. Diese ist an den Ecken einem Aufzugsschacht und drei Treppenhäusern aufgelagert und imponiert mit ihrer gut 30 x 30 m überspannenden Sichtbetondecke. Die Gestaltung der Ausstellung übernimmt das Atelier Brückner, Stuttgart. Bernhard und Stefan Marte mussten dafür eine Black Box entwerfen und auf allen drei Ebenen um Bibliothek, Veranstaltungsräume sowie einen »Raum der Stille« ergänzen, der wiederum von Königs Architekten, Köln, gestaltet wird.
Die Marte-Brüder sind dafür bekannt nach skulpturalen, schweren, reduzierten Formen zu suchen. Das ist ihnen in Berlin gelungen.
Nach Querelen über die inhaltliche Ausrichtung des Zentrums und Wechseln in der Kuratoriumsleitung, die zu diversen Verzögerungen führten, soll das Zentrum nun im Sommer 2021 eröffnet werden.
Das Umfeld um das Dokumentationszentrum dürfte sich bald verändern, wenn ein geplanter Ministeriums-Hochhaus-Neubau nebenan die Fassaden der Vorarlberger Brüder wieder verdeckt.

Standort: Stresemannstraße 90, 10963 Berlin
Architekten:
Marte.Marte Architekten, Feldkirch
Bauzeit:
Juni 2013 bis Juni 2020 (Übergabe)


Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung:
https://www.flucht-vertreibung-versoehnung.de »

Projektseite des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung:
https://www.bbr.bund.de/BBR/DE/Bauprojekte/Berlin/Kultur/SFVV/sfvv.html »