Kunstmuseum und Ladengeschäft

… Vaduz (FL)

In der winzigen Hauptstadt des Alpen-Fürstentums ist alles zwei Nummern kleiner. So ist schon das im Jahr 2000 eröffnete Kunstmuseum Liechtenstein mit seiner berühmten schwarzen Fassade aus geschliffenem Beton (Morger, Degelo und Kerez, s. db 6/2002, S. 62) kein Riese. Zur Ergänzung und gegenseitigen Stärkung hat nun die Hilti Art Foundation, die schon seit längerer Zeit mit dem Kunstmuseum kooperiert, einen kleinen Erweiterungsbau spendiert, um in wechselnden Ausstellungen Kunstwerke der letzten 150 Jahre adäquat präsentieren zu können.
Per Direktauftrag kam dabei nochmals dasselbe, wenn auch personell stark veränderte Architekturbüro zum Zuge, das sein Know-how in ein weißes Geschwisterchen neben dem schwarzen Hauptbau goss. Der »White Cube« mit einer monolithischen, fugenlosen Fassade aus geschliffenem Beton ist von nahezu bündigen Fensterbändern (es fehlt nur ein unauffälliger Zentimeter) gegliedert. Im Vergleich zum Altbau sind keine Unebenheiten zu erkennen, nur die leichten Unterschiede in der Verteilung der Marmor- und Flusskies-Zuschläge lassen die Arbeitsfugen erahnen. Im Innern mildert an ausgesuchten Wänden ein gedeckter Grünton die gleißende Dominanz der weiß gestrichenen Oberflächen. Zusammen mit der insgesamt recht flau eingestellten Lichtstimmung, die v. a. den farbigen Arbeiten nicht gut tut, ein hoffentlich reversibler Eingriff – der aber immerhin den skulpturalen Wert des beeindruckenden Treppenhauses hervorhebt. Dieses nimmt etwa ein Drittel der Grundfläche ein, lässt somit nicht mehr allzu viel Platz für die beiden Ausstellungssäle im 1. und 3. OG und windet sich entlang eines gebäudehohen Luftraums in eine schwindelerregende Höhe, die ausreicht, um zwischen Sonnenschutz-Gaze hindurch über die Nachbarbebauung hinweg noch den Blick auf einige Berggipfel zu ermöglichen.
In dem kleinen Quader, dessen Ausstellungsräume über eine elegant gewendelte Treppe vom Foyer des Kunstmuseums aus erreicht werden, und in den weitläufigen UGs haben zudem noch zahlreiche Neben- und Schalträume z. B. für die Kunstvermittlung Platz gefunden, v. a. aber ein edles Uhren- und Schmuckgeschäft, das vormals an derselben Stelle residierte. Es nutzt Flächen entlang der Straße, im 2. OG und 1. UG und ist somit räumlich, wenn auch kaum merklich mit dem Museum verzahnt. In kleiner, feiner, geschliffener Architektur gesellt sich somit Geld zu Geld.
~ge
Standort: Städtle 32, FL-9490 Vaduz
Architekten: Morger + Dettli Architekten, Basel
Bauzeit: April 2012 bis April 2015, Eröffnung: Mai 2015