Sporthalle Kepler- und Humboldt-Gymnasium

… Ulm

~Simone Hübener

Der für eine Sporthalle ungewöhnliche Standort auf einer sehr kleinen Fläche in einem Umfeld mit einigen eleganten Gründerzeitbauten ließ zwei Aspekte für den Entwurf schnell klar hervortreten: Die drei Hallen mussten übereinander gestapelt werden, und die Fassade sollte ihnen ein nobles Erscheinungsbild verleihen. Das ist den Architekten mit den vertikal angeordneten, in sich verdrehten Aluminiumlamellen bestens gelungen. Diese legen sich wie ein feiner Schleier über das 18 m hohe, als Stahlbetonskelettbau errichtete, hellgrau verputzte Gebäude und lassen es je nach Standort und Blickwinkel mal offener, mal geschlossener erscheinen. Die Nordwest-Ecke ist im EG für den komplett verglasten Eingang ausgespart, der sich zu einem Vorplatz und zum Komplex der beiden Gymnasien hin öffnet.
Die Noblesse des Äußeren setzt sich im Eingangsbereich fort. Sportler und Besucher erreichen die verschiedenen Ebenen über eine freitragende Treppe, die im gebäudehohen Foyer zu schweben scheint. Die Läufe sind unterschiedlich lang, was den skulpturalen Charakter weiter stärkt. Die Podeste der aus Sichtbeton und weiß lackiertem Stahl gefertigten Treppe wurden graublau beschichtet, um sie leicht reinigen zu können. Leider führt das zu einem optischen Bruch. Die unterschiedliche Farbgebung der Linoleumböden in den Hallen – blau, rot und grün – lässt sich dagegen sehr gut nachvollziehen und erleichtert die Orientierung im Gebäude. Dazu trägt auch der klar strukturierte Grundriss bei: Die zweigeschossigen Hallen belegen den westlichen Teil, östlich schließen sich jeweils auf der unteren Ebene die Geräteräume und darüber die Umkleiden an. In den Hallen kommt der große Vorteil des Stapelns zum Tragen: Im Vergleich zu einer Dreifeldhalle ist es sehr ruhig, die Sportler bleiben ungestört von den anderen Aktivitäten im Haus.
Die Gestaltung ist auffallend diszipliniert und zurückhaltend. Leuchten, Sportgeräte und alle weiteren Deckeninstallationen sind sauber geordnet montiert. Lang gestreckte Fensterbänder mit außen liegendem Sonnenschutz ermöglichen verschiedene Blickbeziehungen nach und von draußen, denn der Dialog mit der Umgebung, die durch das Projekt »Zukunftskonzept Innenstadt 2020« der Ulmer Bauverwaltung weiter gestärkt werden soll, lag den Architekten am Herzen. Geschützt aber nicht abgeschottet wirkt deshalb die Atmosphäre, die innen und außen spürbar wird.
Standort: Karl-Schefold-Straße 2, 89073 UlmArchitekten: h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten, Stuttgart/München/DüsseldorfBauzeit: August 2013 bis Juli 2015