London (GB)

The Interlock – Apartmenthouse mit Café

Mit dem Wohn- und Geschäftshaus nahe dem Oxford Circus haben Katerina Dionysopoulou und Billy Mavropoulos vom Bureau de Change dem coolen »Brit Brick« eine bemerkenswerte weitere Facette hinzugefügt. Zugleich erkunden sie mit ihrer Baulückenfüllung erneut programmatisch die Möglichkeiten von Material und Form (vgl. db 3/2019, S. 101). Kunstvoll balancieren sie dabei zwischen traditionell aufgemauerter Handwerkskunst und industrieller High-Tech-Produktion mit lasergeschnittenen Metallpaneelen, auf denen die Ziegel der Brüstungsfelder befestigt sind.

In dem streng denkmalgeschützten Quartier an der Great Portland Street zeigen sich mindestens ein Dutzend verschiedene Möglichkeiten, wie man mit Ziegeln bauen kann. Die Architekten greifen diese Tradition nicht nur auf, sondern verleihen ihr eine unerwartet delikate Gestalt. Leicht vorgewölbte Wandvorlagen gliedern die Fassade des vierstöckigen Hauses mit Mansarddach vertikal und rufen die Erinnerung an klassische Wandstrukturen wach. Doch als wollte das Haus aus seiner Ziegelhaut fahren, kommt die Fassade an den Knotenpunkten von Horizontale und Vertikale in eine unerhörte Bewegung. Kraftvoll falten sich die Steine zu einem skulpturalen Ereignis auf, das den deutschen Expressionisten der Zwanziger Jahre alle Ehre gemacht hätte. Dafür war neben aufwendiger Detailierung und engagierten Handwerkern ein Ziegelhersteller gefragt, der gerne neue Wege ging. Insgesamt 14 Modeln für Formsteine wurden gemeinsam mit den Architekten entwickelt. Durch den speziellen Zuschnitt ließen sich daraus insgesamt 44 Steinvariationen gewinnen.

Hinter der dunklen Front verbergen sich drei Wohnungen, die auf dem langgestreckten Grundstück nur schwer unterzubringen waren. Die gestaffelte Gebäudefigur ist letztlich aus den Abstandsflächen zu den Nachbarbauten abgeleitet. Durch einen eingefügten Lichthof versuchen die Architekten daher erfolgreich, Belichtung und Belüftung zu verbessern. Besonderer Clou ist der fensterlose Raum in einer Wohnung, der durch das eingefügte Oberlicht eine geradezu sakrale Wirkung entfaltet und sich unerwartet als Renner bei der Vermietung entpuppte. Und auch für das winzige Café hatten die Architekten eine prägnante Idee. Dort haben sie den Fassadenexpressionismus in eine abstrakte Decken-Wand-Struktur aus gebogenen Holzlatten verwandelt, die dezent jugendstilig daherkommt und das stimmige Projekt konzeptionell abrundet.

~Jürgen Tietz

Standort: 35 Riding House St, Fitzrovia, London W1W 7EA
Architekten:
Bureau de Change, London
Eröffnung:
März 2019