Biel (CH)

Swatch Headquarters

~Ulf Meyer

Mit dem Swatch-Gebäude in Tokyo hat Shigeru Ban 2007 schon bewiesen, wie geschickt er die Marken von Hayeks Uhren-Imperium in Architektur zu übersetzen versteht. Vier Jahre später hatte sich sein Entwurf auch im Architekturwettbewerb für den Neubau des Hauptsitzes der Swatch-Gruppe in Biel durchgesetzt. Die städtebaulich grobschlächtige, 35 m breite und 240 m lange Schlangen-Form des Neubaus folgt dem L-förmigen Baugrundstück. Ban nimmt für sich in Anspruch, eine Form »zu finden, anstatt sie zu kreieren«, das große Tonnendach »aus Material, Ort, Funktion und Anforderungen des Bauherrn« entwickelt zu haben. Der Konstrukteur aufsehenerregender Holz-Tragwerke hat für Biel eine rautenförmige Gitterkonstruktion aus 2 800 Fichten-Waben mit opaken, transluzenten und transparenten Füllungen ersonnen. Die meisten sind mit einer lichtundurchlässigen Folie geschlossen. Einige Elemente lassen sich im Brandfall zur Entrauchung öffnen, andere tragen gekrümmte Photovoltaikzellen. Die transluzenten Füllungen sind pneumatische, ständig unter Druck stehende Luft-Kissen. Die transparenten Elemente bestehen aus vier Glasscheiben, zwischen die weiße Rollos eingelassen sind. Auch diese Elemente werden dauerhaft belüftet, damit sich kein Kondensat bildet – Tribute an die kalten Winter in Mitteleuropa. Genauso aufwendig, die 4 600 Holzbauelemente präzise geometrisch zu definieren, mit der CNC-Fräse zuzuschneiden und passgenau zu montieren.

Die Büro-Etagen sind in Beton-Skelettbauweise mit Heiz- und Kühl-Decken ausgeführt. Um angenehme Arbeitsbedingungen zu schaffen, hat Ban zur Verbesserung der Raumakustik in den Büros perforierte Kreuze in die Decke integriert. Balkone bieten Blicke über die Schreibtischlandschaft und hinaus auf Stadt und Umland. Die Durchstoßpunkte stören die diamantförmige Geometrie des Diagonalgitters und könnten sich wegen eindringender Feuchtigkeit zu bautechnischen Problemen auswachsen.

Alle Mitarbeiter sind über die Stockwerke hinweg visuell und akustisch miteinander verbunden. Zusätzlich zur Cafeteria im EG gibt es mehrere Pausenräume und »Alkoven« für bis zu sechs Personen. Die Innenraumgestaltung wirkt aufgeregt und zu farbig. Sie konkurriert mit der starken Geometrie des an vielen Stellen weit heruntergezogenen Dachs.

Zum Energiekonzept gehören Bauteilaktivierung, Geothermie-Anlage, PV-Paneele für 212 MWh/a und Velo-Spots mit E-Ladestationen.

Standort: Nicolas G. Hayek Straße 1, CH-2502 Biel
Architekten:
Shigeru Ban, Tokio/Paris
Eröffnung:
Oktober 2019

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