Anlage für afrikanische Menschenaffen

… Stuttgart – Affenhaus

~cf

Mit Zooarchitektur ist das so eine Sache. Gerade im Internet regen sich zuhauf die Kommentare all jener, die zu meinen wissen, welche Materialien für Tiere gut oder schlecht sind, wie viel Platz sie benötigen u. v. m. Nicht anders beim neuen Affenhaus in der Stuttgarter Wilhelma. Dabei wurde der Neubau nach den aktuellen Haltungsrichtlinien der Europäischen Erhaltungszuchtprogramme und langjährigen Erfahrungen von Zoologen und Tierpflegern errichtet und dürfte so zumindest »State of the Art« sein. Im Vergleich zur vorherigen Herberge wirkt er fast wie ein 5-Sterne-Hotel: Zum einen stehen den Gorillas/Bonobos nun wesentlich mehr Fläche (15/10 mal so viel) und Raumvolumen (das 4/19-fache) zur Verfügung, zum anderen haben sich Atmosphäre, architektonische Gestaltung und Ausstattung erheblich verbessert. Üppiges Grün auch im Bereich der Sichtfenster ermöglicht es den Tieren, sich je nach Laune gegenüber den neugierigen Blicken der Menschen abzuschotten – was die Sichtfläche für die Besucher leider sehr einschränkt. Geschicklichkeitsstationen und Futterlabyrinthe halten Leckerbissen bereit, zu bestimmten Tageszeiten können die Tiere fernsehen (es laufen Trickfilme, Tiersendungen oder Naturdokus). Im Außenbereich schließt südlich an das längliche, leicht s-förmig abgewinkelte Gebäude der »Spielplatz« für die Bonobos an; diesen überspannt eine von officium Design Engeneering geplante Voliere, deren schräg stehende Stützen auch als Klettergerüst dienen. Die nordwestliche Fassadenseite flankiert das großzügige, u. a. mit einem Wassergraben abgegrenzte Außengehege der Gorillas. Für die Betondachgeometrie entwarfen die Stuttgarter Ingenieure wh-p 26 polygonale Teilflächen, in die trapezförmige Oberlichter integriert sind. Darunter werden die Besucher in leichter Zickzacklinie entlang der Innengehege geführt. Dabei hätten etwas weniger robust wirkende Geländer die ansonsten leichte, durch die großzügige (wenn auch stark zergliederte) Verglasung, das Grün und den grau-beige gefärbten Sichtbeton helle und wohlige Raumwirkung besser unterstützt. Dass außerdem die Ausführungsqualität an manchen Bauteilen im Innen- und v. a. Außenbereich beeinträchtigt ist, scheint die Besucher nicht zu stören: Ihre Blicke gelten berechtigterweise allein ihren »Vorfahren«.
Standort: Wilhelmaplatz 13, 70376 Stuttgart Architekten: Hascher Jehle Architektur, Berlin Bauzeit: Juni 2010 bis Mai 2013