Studentenwohnheim_Wilhelm-Busch-Straße_8-10,_30167_Hannover,_Architekten_Umbau_und_Neubau:_ACMS_Architekten_GmbH,_Architektur_Contor_Müller_Schlüter,_Friedrich-Ebert-Str._55,_42103_Wuppertal
ACMS Architekten, Wuppertal, Foto: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf
Hannover

Studentenwohnheim

~Hartmut Möller

In Universitätsvierteln zeichnet sich die Wohnraumknappheit bei ständig wachsender Anzahl von Studierenden ganz besonders deutlich ab. Jedes neue Domizil verspricht also eine willkommene Linderung.
In Hannovers angesagter Nordstadt entstand jüngst ein knapp 4 000 m² großes Ensemble aus Alt- und Neubauten mit Platz für 128 angehende Akademiker in 18 Wohngemeinschaften, 41 Einzelzimmern und zwei rollstuhlgerechten Einzelapartments. Benannt ist das Studentenwohnheim nach seinem Stifter Klaus Bahlsen, dessen Vater als Keksfabrikant zu internationalem Ruhm gelangte.

Die Planer sind auf örtlichem Terrain keine Unbekannten – bereits ein Jahr zuvor realisierten sie eine ähnliche Anlage in kaum 200 m Entfernung (s. db 10/2017, S. 70). Zwischen beiden liegt der herrliche Georgengarten, an dem sich unterschiedliche Fakultäten aufreihen; eine fußläufige Erschließung ist also garantiert.

Gegenüber der Technischen Informationsbibliothek (TIB) mit üppig begrüntem Vorplatz dominieren denkmalgeschützte Gründerzeithäuser das Straßenbild. Ein Gebäude aus den Zwanzigerjahren musste hier weichen, an seiner Stelle befindet sich nun als moderne Antwort der in hellbeigem Verblendmauerwerk ausgeführte Neubau. Wenngleich seine Fenster ein erheblich längeres Vertikalformat aufweisen, orientieren sich ihre Anordnung sowie Trauf- und Gaubenhöhe eindeutig am Vorgänger. Die mächtige Höhe der sechs fenstergleich rhythmisierten Gauben lässt das dunkel ausgeführte Steildach in den Hintergrund treten. Waagrechte, aus der Wand hervortretende Steinreihen gliedern die homogene Erscheinung wohltuend, ihre Reminiszenz an die historische Bebauung erschließt sich aber nicht eindeutig. Da Dach und Wände aus vorgefertigten, gedämmten Holztafelelementen bestehen (die dann vor Ort bekleidet wurden), konnte die wetterfeste Hülle innerhalb nur eines Monats fertiggestellt werden. Im Innern sind vorfabrizierte Nasszellen mit Schwarzplänen bedruckt – so können sich die Bewohner ganz nebenbei mit der neuen Heimat vertraut machen.

Dem quer zur Straße stehenden Altbau aus den 50er Jahren verpassten die Architekten ein Facelift im roten Ziegelkleid mit verschattendem Gitterrost vor der Treppenhausverglasung. Ein weiterer Neubauflügel schließt das Areal gen Osten ab und bildet einen gemeinschaftlichen Hof als zentrale Erschließung aller Bauten. Hier herrscht ein nüchterner Kontrast aus weiß geputztem WDVS und schwarzen Fensterrahmen in grauen Faschen.

Standort: Wilhelm-Busch-Straße 8-10, 30167 Hannover
Architekten: ACMS Architekten, Wuppertal
Bauzeit: September 2016 bis November 2017
Auszeichnung: Anerkennung beim Holzbaupreis Niedersachsen 2018