Berlin

Start-up Remise

~Jürgen Tietz

Wo einst kleines Gewerbe oder auch ein Pferdestall die Hinterhöfe der Berliner Mietskasernen belebten, haben Jan Wiese Architekten mit Ralf Wilkening im überhippen Prenzlauer-Berg eine Start-up-Remise errichtet. Im Vergleich zu den historischen Vorbildern geruchsneutral und lärmreduziert, lässt es sich dort auf vier Etagen arbeiten und auf der bekrönenden Dachterrasse mit Brandwandblick entspannen. Der Ziegeltradition der Nachbarremisen im zweiten Hinterhof antworten die Architekten mit einer Beton-Holz-Konstruktion. Die rasterklare Fassade aus Lärchenholz ist vorgesetzt und zeigt dies auch konstruktiv ehrlich an. Durch einen dreifach abgetreppten Senkgarten wird der Keller als Vollgeschoss gewonnen. Möglich ist das nur, weil man sich hier auf der Hochfläche des Barnim befindet, einer Grundmoränenfläche mit tiefer liegendem Grundwasserspiegel als etwa im Berliner Urstromtal der Spree – wo das UG leicht mit Wasser volllaufen könnte.

Das zum Senkgarten orientierte und dadurch zureichend natürlich belichtete UG aus Beton nimmt einen Aufenthaltsraum sowie drei zusammenschaltbare Besprechungsräume hinter Glas auf. Auf der Gebäuderückseite liegt eine Nebenraumspange mit dem Treppenhaus, das brandschutzsicher einen ordentlich gearbeiteten Ortbeton zeigt. Von dort werden die üppig befensterten, jeweils rund 110 m² großen Büroetagen mit Fichtenholzkonstruktion und Estrichboden erschlossen. Die Holzbalken der drei stützenfreien und damit flexibel bespielbaren OGs liegen jeweils auf der Betonrückwand der Büros auf. Ergänzt wird die Gestaltung im 3. OG durch einen glasgefassten Besprechungsraum samt rückwärtigem Regalmöbel aus Holz. Das alles ist von unaufgeregter Funktionalität bei Baukosten von rund 1,5 Mio. Euro. Was bei der nur einseitig nach Süden befensterten Remise allerdings fehlt, ist die Möglichkeit der Querlüftung, sodass sie sich trotz außen liegendem Sonnenschutz kräftig aufheizen kann.

Standort: Immanuelkirchstraße 26, 10405 Berlin
Architekten:
JWA, Berlin, mit Ralf Wilkening, Berlin
Bauzeit: Januar 2018 bis Januar 2020