Erweiterungsbau Galerie Alte & Neue Meister

… Schwerin

~Jürgen Tietz

Derzeit macht sich das einzigartige Ensemble rund um das Schweriner Schloss, dieses famos glitzernde Neuschwanstein des Nordens, mit guten Aussichten auf den Weg zum Weltkulturerbe. In einem solchen Umfeld einen neuen Baustein für das Staatliche Museum einzufügen, erfordert jene entschlossene Behutsamkeit, wie sie die Berliner Architektengemeinschaft Scheidt Kasprusch mit Reiner Becker bei ihrem Neubau bewiesen hat (Baukosten 6,1 Mio. Euro).
Das beginnt bereits bei der sensiblen Einbindung des neuen Baukörpers: Er ergänzt den dreiflügeligen Altbau (1882), den der Stüler-Schüler Hermann Willebrand entworfen hat, als vierter Flügel. Nur über ein gläsernes Brückenbauwerk sind beide Baukörper miteinander verbunden. So bleibt die Autonomie des Altbaus ebenso gewahrt wie die vorhandene Durchwegung und Durchblicke im potenziellen Welterbeensemble. Mit einer sandfarbenen Betonfassade, die im unteren Bereich sockelartig geschliffen, im oberen Bereich gestockt ausgeführt ist, suchen die Architekten eine farbliche Anbindung an den Bestand. Und auch in seiner Höhenentwicklung fügt sich der Neubau in die Nachbarschaft ein. Dafür wurde das pfahlgegründete neue Museum leicht in das Erdreich abgesenkt. So konnten im Innern zwei großzügige Ausstellungsräume von rund 12,50 x 32 m entstehen, wobei der untere 4, der obere gar 5 m hoch ist und damit einen angemessenen Präsentationsrahmen für zeitgenössische Kunst schafft. Wie gut das funktioniert, beweist zur Eröffnung eine anrührende Ausstellung mit Arbeiten Günther Ueckers, dessen Werk einen Sammlungsschwerpunkt in Schwerin bildet. Eine durchgängige Lichtdecke sorgt für eine gute Ausleuchtung. Besonders schön ist es, dass die Architekten keine »white-box« gebaut haben, sondern große Glasflächen Blickbeziehungen zum Schweriner See sowie zum Altbau des Museums bieten. So ist ihnen der klassische Museumsspagat zwischen Verortung und ausreichender Wandfläche zum Hängen vorbildlich gelungen. Noch nicht abgeschlossenen ist die Gestaltung des Museumshofs zwischen Alt- und Neubau, dem man nur wünschen kann, dass er künftig als öffentlicher Raum Besucher in die Galerie Alte & Neue Meister lockt, um sie dort mit den Werken Ueckers ebenso zu bezaubern wie mit der wundervollen Sammlung niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts.
Standort: Alter Garten 3, 19055 SchwerinArchitekten: ARGE Scheidt Kasprusch, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, und Reiner Becker Architekten, BerlinBauzeit: Spatenstich: September 2014, Eröffnung: Juli 2016