MACRO – Museo d'Arte Contemporanea di Roma

… Rom (I)

~Maria Veltcheva

Das 1999 entstandene und in einem Industriekomplex vom Anfang des 20. Jahrhunderts untergebrachte Museum für Gegenwartskunst der Stadt Rom wurde von der französischen Architektin Odile Decq um 10 000 m² erweitert.
Ein blutrotes Auditorium mitten im Foyerbereich beherrscht den von schwarzen Wänden begrenzten Raum, der sich bis ganz ins Innere des bestehenden Gebäudes hinein entwickelt. Die Art, wie sich im Museum Stahlkonstruktionen, technizistische Details, Glas, die Farben Schwarz, Rot und Weiß selbst feiern erinnert an barocke Rauminszenierungen und bildet zusammen mit dem wechselnden Lichteinfall einen spannungsreichen Rahmen für die Kunstwerke. Die schwebenden Laufstege und die Terrassenlandschaft mit ihren schiefen Ebenen wirken auf den Besucher destabilisierend, ermöglichen aber Rundgänge auf unterschiedlichen Wegen, um den Kunstraum zu erforschen.
Der öffentliche Raum ist in verschiedenen, typisch römischen Formen präsent: von der inneren Piazza, dem Foyer, bis hin zur 2 500 m² großen Dachterrasse. Alle Nichtausstellungsräume sowie insbesondere der 1 200 m² große Ausstellungssaal sind bei freiem Eintritt direkt zugänglich, um die Offenheit gegenüber der Stadt zu unterstreichen.
In diesem Museum voll räumlicher Erfahrungen rückt die Funktionalität in den Hintergrund. Es ist schade, dass sich beispielsweise Sitzgelegenheiten – außer in einer verborgenen Falte auf dem Dach des Auditoriums – nur in den unter kommerziellem Druck stehenden Bereichen von Cafeteria und Dachterrassenrestaurant finden lassen. Die zu strengweißen und neutralen Ausstellungsräumen umfunktionierten charakteristischen Industrieräume sind zwar einzigartig, aber nicht leicht mit Kunstwerken auszustatten. Architektur im Dienste der Kunst oder Kunst als Vorwand für architektonischen Ausdruck? Auch das Macro bleibt die Antwort schuldig. Als Museumsmaschine ist und bleibt es in erster Linie ein urbanes Element.
Standort: Via Nizza, Ecke Via Cagliari, 00198 Roma (I) Architekten: Odile Decq Benoît Cornette, Paris (F) Fertigstellung: Dezember 2010