Stadthalle Reutlingen
Stadthalle

… Reutlingen

~Martin Höchst

Das Ringen um einen Neubau für kulturelle Veranstaltungen zog sich bereits seit den 80er Jahren hin – besonders als Konzertstätte für die renommierte Württembergische Philharmonie Reutlingen. 2006 schließlich ging die Stadt die Neuordnung eines prominent zwischen Bundesstraße und Stadtmauer gelegenen ehemaligen Firmenareals an, um damit sowohl ein Stück Stadtreparatur zu leisten als auch das neue kulturelle Zentrum auf den Weg zu bringen.
Der in Teilen bereits umgesetzte städtebauliche Wettbewerbsentwurf von Hinrichs Wilkening Architekten aus Berlin platziert ein Hotel, eine Fläche für Freiluftveranstaltungen und die neue Stadthalle inmitten eines Baumhains, der das ganze Areal überzieht und aus dem verkehrsbelasteten Ort einen »Bürgerplatz« werden lassen soll. Auf dieses schlüssige Konzept reagiert die Stadthalle als liegender Quader (ca. 80 x 44 m) mit der beinahe völligen Hierarchielosigkeit ihrer vier Fassaden: Ringsum wechseln sich stehende Elemente dunkler Baubronze und schmale Fensteröffnungen ab; lediglich ein Schriftzug markiert den etwas gedrungen wirkenden Haupteingang. Der umlaufende Rücksprung des Baukörpers zu einem Staffelgeschoss mit »Stadtbalkon« nimmt die Höhe sowohl der historischen Stadtmauer gegenüber als auch die des anvisierten künftigen immensen Blätterdachs auf und lässt die beiden übereinanderliegenden Veranstaltungsräume im Innern mit rund 1 500 bzw. 400 Sitzplätzen erahnen. Größter Luxus der zweckmäßigen Erschließungsbereiche rund um die Säle – abgesehen von einer im knapp bemessenen Foyer recht wuchtig wirkenden holzbekleideten Treppenanlage – sind das Tageslicht und der Blick nach draußen. Von Experten hochgelobt wird die Akustik des großen Veranstaltungssaals, der dank ausgeklügelter funktionaler Details verschiedene Veranstaltungen ermöglicht. Der festlich illuminierte Himmel seiner gerasterten weißen Decke und eine sorgfältig verarbeitete Wandvertäfelung aus amerikanischer Kirsche sorgen zudem für eine feierliche aber nicht opulente Atmosphäre. Auch im kleinen Saal darüber, der sich in bis zu vier Räume aufteilen lässt, verströmt die raumhohe geradlinige Wandbekleidung aus Kirschholz ein angemessenes Maß an Gediegenheit.
Die hohe Funktionalität und das gute Kostenmanagement des neuen Musentempels – die angestrebten 42 Mio. Euro wurden eingehalten – wünscht man auch dem nach Entwurf Max Dudlers projektierten Hotel nebenan, jedoch auch etwas weniger Nüchternheit.
Standort: Eberhardstraße 35, 72762 Reutlingen Architekten: Max Dudler, Berlin Frankfurt Zürich Eröffnung: Januar 2013