© Zooey Braun
Zentraler Omnibusbahnhof

… Pforzheim – Omnibusbahnhof

~Simone Hübener

Die Architektur der 50er Jahre weckt bei vielen Pforzheimern bis heute positive Erinnerungen, denn sie verbinden damit den Neuanfang nach dem Krieg. Dazu zählt auch der Pforzheimer Hauptbahnhof (s. db 1-2/2014, S. 50), der neben dem neuen, insgesamt 270 m langen Zentralen Omnibusbahnhof schnell wie Beiwerk hätte erscheinen können. Doch dank des achtsamen Entwurfs des Architekturbüros Metaraum stehen heute zwei sich ebenbürtige Bauten nebeneinander.
Die Architekten gliederten den ZOB in drei Teile, deren Bussteige jeweils von einem elegant geschwungenen Dach geschützt werden. Die Dachformen greifen zum einen die Kurvenradien der ein- und ausfahrenden Busse auf, zum anderen lehnen sie sich an die Formensprache der 50er Jahre an – eine Reminiszenz an den Bahnhof. Die Dächer erlauben zum Gleisfeld hin nur wenige Durchblicke, wodurch der ZOB eine eindeutige Ausrichtung zum gegenüberliegenden Stadtraum erhält. Dorthin öffnen sich die Dächer komplett und liegen nur auf relativ filigranen Stützen auf, deren Form mit vier angeflanschten Flachstählen im Gegensatz zur übrigen Gestaltung ein wenig zu verspielt wirkt. Durch runde Ausschnitte in der horizontalen Dachfläche scheint das Sonnenlicht mal auf die Wartebereiche, mal auf die Fahrbahn, durch manche wachsen Bäume in den Himmel. Mit ihrer sehr schlanken Ansicht wirken die weißen Stahldächer, deren Oberflächen aus Zementbauplatten geformt sind, elegant und dem hier neu entstandenen Stadtraum angemessen. Mit der hellen und freundlichen Gestaltung machen die Architekten die vordem hier herrschende Tristesse vergessen und verwandeln den v. a. nachts mit entsprechenden Gefahrenpotenzial behafteten »Unort« in einen sicheren städtischen Raum.
Viel Mühe und Arbeit hat Metaraum auch in die Funktionsinseln der einzelnen Bussteige gesteckt – mit Erfolg: Es gelang, alle Einzelelemente wie Sitzgelegenheiten, Fahrplaninformationen und Beleuchtung zu einem gestalterisch ansprechenden Ganzen zusammenzufassen. Der Sichtbeton und das transparente Glas korrespondieren mit den weißen Zementbauplatten, die weißen Bussteignummern können auch von sehbehinderten Menschen gut gelesen werden. Alle anderen Schriftzüge wie die Liniennummern sind in einem angenehmen Orangeton auf die Gläser aufgebracht, wodurch die Architekten einen dezenten und gleichzeitig wichtigen Farbakzent in den Bahnhof gebracht haben.
Standort: Bahnhofsplatz 1, 75175 Pforzheim Architekten: Metaraum Architekten (Heinisch.Lembach.Huber), Stuttgart Fertigstellung: Juni 2015