… Paris

Notre Dame de la Sagesse
Standort: Place Vilar, 13e Architekten: Pierre-Louis Faloci, Paris Fertigstellung: 2003

Es dauert stets eine Weile, bis ein nagelneues Quartier zum lebendigen Stück Stadt reift. Unmittelbar neben der neuen Bibliothèque National entstand eine klassische Blockbebauung aus zweit- und drittklassiger Büro- und Wohnungsarchitektur – in deren Mitte jedoch eine zunächst unscheinbare kleine Kirche gebaut wurde. Außen dominiert eine homogene rote Ziegelschale, innen überrascht ein ruhiger, ausgewogener, kleiner Sakralraum aus Sichtbeton. Zwar zentral auf den Altarraum ausgerichtet, wurde der Raum jedoch asymmetrisch inszeniert: Links fällt ein indirektes Seitenlicht hinein, den Altarbezirk dominiert kräftiges Oberlicht. Der Boden zoniert den Raum mit einer Materialvielfalt: von links nach rechts liegen Holzparkett, polierter roter Granit im Hauptgang und Sichtbeton unter den Kirchenbänken, die nur auf der rechten Seite aufgestellt wurden. Auf dieser Seite gibt es vorne unterm Turm auch einen kleine Beichtkapelle. Erstaunlich wieder mal die französische Vorliebe für die Sonorisation: Sehr leise rieselt Kirchengesang aus versteckten Lautsprechern. Rund um die Kirche sorgen ein Sandplatz und ein umzäunter Hartplatz dafür, dass etwas entsteht, womit sich Architekten gemeinhin schwer tun: ein kommerzfreier Treffpunkt des Quartiers, an dem sich Jung und Alt zwanglos und doch sozial wirksam zusammenfinden. ub