Architekturmuseum

… Oslo (N)

~Clemens Bomsdorf

Seit Anfang März ist das norwegische Architekturmuseum in einem umgebauten und mit einem Annex versehenen alten Bankgebäude untergebracht. Der als Hauptausstellungsraum dienende Pavillonanbau ist an drei Seiten komplett verglast und wirkt wegen der vergleichsweise geringen Grundfläche bei hoher Deckenhöhe wie eine gestauchte Version von Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie in Berlin. Mehrere Meter hohe Betonmauern, die diese Glaswände wie die Außenmauern eines Forts umgeben, nehmen Bezug auf den wehrhaften Charakter der nahen Festung Akershus und auf die ehemalige Nutzung des Hauptgebäudes als Bank. Trotz der Glaswände ist die Sicht in Richtung Straße versperrt, was den Raum von der Außenwelt abkapselt und die Konzentration auf die Ausstellung lenkt. Nicht ganz unwichtig war wohl auch, dass den Besuchern der vor dem Gebäude liegende Straßenstrich verborgen bleibt.
Der Bodenbelag im Pavillon ist wie auch die meisten Türen des Gebäudes aus Eiche, vier stämmige Betonsäulen tragen das Dach. Um Architekturmodelle auszustellen, ist dieser nahezu frei bespielbare Raum bestens geeignet. Die Stellwände, die für Erläuterungstexte dazugestellt werden müssen, drohen aber zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch die eigentliche Offenbarung ist wie so oft stiller und leicht zu übersehen: Hinter der Rezeption im Altbau, im Vorraum zu Garderobe und Toiletten, gibt eine Glastür mit Rundbogen und Holzrahmen den Blick frei auf einen kurzen, hell erleuchteten Gang mit geöffneter Gittertür und schließlich das grün gekachelte Foyer mit einer in den Boden eingelassenen Glasplatte. Durch die ungewöhnliche Farbgebung und das Glas scheint das Foyer aus sich heraus zu leuchten. Der Rundbogen der ersten Tür und die Deckengewölbe tun das Übrige: An dieser Stelle wirkt der Bau sakral – und das völlig unerwartet.
Projektleiter war Martin Dietrichson, der mittlerweile das Büro Kima Arkitekter mitgegründet hat.
Standort: Bankplassen 3 Architekt: Arkitekt Sverre Fehn AS, Oslo (N) Eröffnung: März 2008