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Nottingham Contemporary

… Nottingham (GB)

~Giles Reid

Das Gebäude sitzt auf einer Klippe und bewacht den südlichen Zugang zum »Lace Market«, einem von viktorianischen Handelsbauten geprägten Viertel, das von Nottinghams einstmaliger Führungsposition in der Spitzen-Herstellung zeugt. Der Bau blickt nach Süden über eine trostlose Landschaft aus Autobahnen, Shopping-Malls und diversen Fehlplanungen. Mit seiner Westseite schmiegt er sich an die Grundstücksgrenze, im Osten ist er ein wenig eingezogen und bildet dabei einen dramatischen Weg für Fußgänger aus. Dieser beginnt unter dem düsteren Eisenbahnviadukt, steigt entlang einer neuen Piazza an und führt, beleuchtet von einem weit auskragenden Baukörper, zum Eingang.
In der Fassade wechseln sich goldfarben eloxierte Streifen und grüne Betonfertigteile ab, in die ein gewobenes Spitzenmuster eingeprägt wurde. Das Gebäude entwickelt sich um das Grundstück herum: ein Objekt ohne Zentrum oder Vorderseite. Es öffnet sich mit bündigen Fenstern zum Platz und wird überragt von zwei Türmen, die aussehen, als wären sie aus Cord-Stoff.
Die äußere Erscheinung ist präzise und vielsagend, die innere weniger. Das ausdrückliche Ziel war, »eine große Bandbreite an Innenräumen zu entwickeln, wie man sie in ihrer Vielfalt und Ausprägung in Fabriken oder Lagerhäusern vorfindet«. Auf den unteren Ebenen bedeutet diese Lagerhaus-Assoziation ein neutrales Betonraster, Beläge aus Sperrholz und freiliegende Leitungen. Die Räume mögen flexibel sein, doch wirkt diese Haltung etwas gekünstelt und die Atmosphäre durch das fehlende Tageslicht trüb. Das Bild des Lagerhauses ist kraftvoll, passt aber besser auf die Malmö Konsthall (1975, Klas Anshelm), von der sich Adam Caruso inspirieren ließ. Feine, schön gearbeitete Räume sind hingegen die mit Oberlichtern ausgestatteten Galerieflächen auf der Eingangsebene. Der Raster der Oberlichter ist eine höchst formale Antwort auf die sehr spezielle Lage innerhalb der Stadt. Doch die Frage bleibt: Wenn dieses Gebäude keine Galerie mehr wäre: Könnte es sich tatsächlich einem anderen Leben anpassen?
Standort: Weekday Cross Architekten: Caruso St John Architects, London (GB) Eröffnung: November 2009