Whitney Museum of American Art

… New York (USA)

~Bernhard Schulz

Für das neue Whitney Museum hat Renzo Piano hinter stahlbekleideter Fassade sechs Vollgeschosse unterschiedlicher Höhe zu einem Gebäude aufgetürmt, das mit einem herkömmlichen Museum zumindest äußerlich nicht viel gemein hat, sondern eher wie eine Addition unterschiedlicher Teile wirkt. Es ist schwer, einen Gesamteindruck zu gewinnen, zu eng sind die Perspektiven und zu wechselhaft je nach Standort. Die Aufgabe lautete, ein renommiertes und stark wachsendes Museum komplett zu verpflanzen, von seinem alten Standort im berühmten, skulpturalen Bau von Marcel Breuer von 1966 in den quirligen Meatpacker District (am südlichen Ende der ungemein beliebten Hochtrassenpromenade »High Line«, s. db 9/2008, S. 30). Im Innern ist das Gebäude viel klarer strukturiert, als es von außen den Anschein hat. Auf das voll verglaste EG mit schickem, unabhängig vom Museum geöffneten Café-Restaurant folgen zunächst ein Stockwerk mit Multifunktionssaal für Film, Performance, … und darüber wiederum vier Etagen mit Ausstellungssälen. Ihre Flächen wie auch die Raumhöhe nehmen nach oben hin ab, sodass die Präsentation der Sammlung ganz oben mit den Kleinformaten der 30er Jahre beginnt. Der Saal ganz unten bietet mit 1 675 m² die größte stützenfreie Galerie in ganz New York und erlaubt es erstmals, die Großformate zu zeigen, die im Breuer-Bau mangels Platz im Depot bleiben mussten. Wie das Äußere, so folgt auch das Innere des Neubaus einer technischen Ästhetik, mit offenen Decken, die das notwendige Beiwerk an Lüftung, Beleuchtung, Aufhängung zeigen. Zwei riesige, raumhohe Fenster an den Schmalseiten der großen Galerie geben den Blick auf den Hudson oder in die Stadt frei. Stadtseitig sind den oberen drei Etagen Terrassen vorgelagert, für Außenskulpturen und -installationen. Bewusst roh gehaltene Metallgeländer nähern sich ein bisschen gewollt der Industrie- und Lagerhausatmosphäre dieser doch bereits gentrifizierten Gegend an. Für immerhin 422 Mio. USD hat das Whitney jetzt 4 600 m² Ausstellungsfläche (recht wenig bei immerhin 20 500 m² BGF!). Dafür kann es erstmals alle Funktionen unter einem Dach vereinen, darunter eine Grafikabteilung und eine allerfeinst ausgestattete Restaurierungswerkstatt – bei den bisweilen delikaten Objekten moderner Kunst kein Luxus, sondern ein Muss. Das Museum erhofft sich eine Verdoppelung der Besucherzahlen auf 1,4 Mio., und zumindest im ersten Jahr sollte das kein Problem sein.
Standort: 99 Gansevoort Street New York, NY 10014, New York Architekten: Renzo Piano Building Workshop, Genua/Paris/New York Eröffnung: Mai 2015