Middlesbrough Institute of Modern Art, »mima«

Neu in Middlesbrough (GB)

~Jörn Ebner

Nach einem Gang durch die Stadt mit ihren verkommenen Bauwerken, mutet der Platz vor dem »mima« erfrischend offen an, grün – und bei Regen nass. Pfützen sammeln sich auf den Stahlplatten und dem an einigen Stellen schon weggebröckelten Beton der Fußwege in der weitläufigen Rasenanlage. An deren einem Ende bewacht Claes Oldenburgs »Bottle of Notes« das neue Museum. Middlesbrough liegt zwar abseits der Touristenpfade, aber in Sachen Kunst ist man hier schon lange ambitioniert. Das samt der öffentlichen Freianlage von Erick van Egeraat entworfene Museum beheimatet eine klein-feine Sammlung zeitgenössischer und moderner Kunst. Das Gebäude besteht aus drei Teilen: In den großen Hauptkubus schiebt sich ein verzerrter Mitteltrakt, dem an der Eingangsseite dann nochmals ein geometrischer Glaskörper vorgesetzt ist. Die Gebäudeteile spielen unterschiedliche Oberflächenmaterialien gegeneinander aus: Der nur rückwärtig sichtbare Haupttrakt ist rau verputzt und wird von diagonal verlaufenden Aluminiumschienen durchkreuzt; der Mitteltrakt aus traditionellem Kalkstein – mal flach, mal klobig, mal glatt, mal rau – scheint in sich verzerrt und endet in einer schräg gestellten Fensterwand. Die Glasfassade lässt das Gebäude von außen geräumig erscheinen. Innen aber wirkt es eng, und die Eingänge zu den Schausälen liegen versteckt. Die kubischen Ausstellungsräume sind zurückhaltend gestaltet, ihre Anordnung aber ungeschickt: Der Parcours im Erdgeschoss führt Besucher immer wieder in denselben hohen Hauptraum zurück und erst im zweiten Stock in den nächsten Saal. Zugang schafft eine Treppe, die an den Räumen vorbeiführend in einer hölzernen Dachterrasse mündet. Damit zieht dieses Haus eine Trennlinie zwischen Öffentlichkeit und Kunst: Es macht den Weg zum Dach zur Hauptsache und schubst die Kunst ins Abseits.
Standort: Centre Square Architekten: Erick van Egeraat Associated Architects, Rotterdam (NL) Eröffnung: Januar 2007