mehrzweckhalle

Neu in Lorch

~Claudia Hildner

Bisher prägten ausschließlich Werke des Büros Behnisch das am Waldrand gelegene Schulzentrum der Stadt Lorch in der Nähe von Schwäbisch Gmünd: Neben zwei Schulen gehörte zu diesem Ensemble auch eine Dreifeld-Turnhalle, die jedoch inzwischen zu klein geworden war. Den Wettbewerb für einen benachbarten Neubau, in dem auch eine Mensa untergebracht werden sollte, gewann das in Stuttgart ansässige Büro Architektur 109. Strenge Formen und kühle Materialien wie schwarzer Stahl, Glas und Sichtbeton dominieren das Gebäude. Trotz der starken Kontraste wirkt die Halle im Inneren nicht abweisend, sondern weich und einladend: Dafür sorgen vor allem die milchig-weißen Fassadenelemente, die das Tageslicht sanft ins Innere fallen lassen.
Mit der angrenzenden Halle aus den siebziger Jahren hat der Neubau auf den ersten Blick kaum etwas zu tun. Bei genauerem Hinsehen erweist sich das neue Gebäude jedoch als Teamplayer – trotz seiner Eigenständigkeit im Verhältnis zum Bestand. Beide Gebäude sind zur Hälfte in das Gelände eingegraben, um die Baukörper in ihrer exponierten Lage an einem Hang oberhalb der Stadt weniger wuchtig wirken zu lassen. Durch die Stellung der neuen Halle gegenüber dem Bestand ergibt sich eine reizvolle Platzsituation. Einige Funktionen, etwa die Lehrerumkleiden, sind im alten Gebäude untergebracht und durch einen Verbindungsflur mit der neuen Halle verknüpft; dadurch ermöglicht der Eingang zum Sportbereich des neuen Gebäudes auch den ebenerdigen Zugang zur bestehenden Halle.
Darüber kragt die Mensa aus, die die Architekten ins Obergeschoss gelegt und mit einem separaten Eingang versehen haben. Nur am Rande scheint es in dieser Mensa um den Genuss von Speisen zu gehen: Der Raum ist so zurückhaltend gestaltet, als ob er selbst im Nichts verschwinden und nur die Blicke in die Sporthalle und zum gegenüberliegenden Kloster Lorch bestehen lassen wolle. Ob die kühle Atmosphäre dabei hilft, den Aufenthalt in der Mensa mit der nach Süden ausgerichteten Glasfassade im Sommer angenehmer zu gestalten, bleibt allerdings abzuwarten.
Standort: Auf dem Schäfersfeld Architekten: Architektur 109, Mark Arnold & Arne Fentzloff, Stuttgart Eröffnung: November 2008