Propsteikirche St. Trinitatis

Neu in Leipzig

~Andreas Wolf

Mit dem Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis gelingt dem Architektenbrüderpaar Ansgar und Benedikt Schulz ein kleines Wunder. Mitten im Leipziger Klein-Klein um Reko und Retro schaffen sie einen souverän-modernen Sakralbau, und es war – ausgerechnet – die Katholische Kirche, die als ambitionierte Bauherrin einen programmatischen Entwurf für das 21. Jahrhundert einforderte. Ein internationaler Einladungswettbewerb fand 2009 statt, den Schulz & Schulz als ortsansässiges Büro für sich entschieden. Ihr Beitrag pariert nicht nur den ungünstigen Grundstückszuschnitt und dessen verkehrlich konfliktreiche Lage am Altstadtring, sondern transformiert diese Schwächen in einen neuen, quasi invertierten Gebäudetypus. Den Entwurfsprozess beschreiben die Autoren präzise als »Ausgießen des Baufelds«, und in der Tat handelt es sich hier weder um eine plastisch-additive noch skulptural-subtraktive Formgebung. Einem gegossenen oder gezogenen Werkstück ähnlich zeigt sich ein kompakter, in der Volumetrie jedoch ausdifferenzierter Baukörper. Auf spitz zulaufender, dreieckiger Grundform gibt der schlanke, 50 m aufragende Turm den westlichen Auftakt, während der blockhaft lagernde Sakralraum das östliche Pendant bildet. Flankierende Verbindungsbrücken leisten den Raumschluss und formulieren den Pfarrhof als offenen städtischen Ort. Dieses, stellenweise durchaus fragil wirkende Raumgerüst wird durch die radikale Materialwahl eines umlaufenden rötlichen Porphyrs aus regionalem Bruch gestützt. Die monolithisch wirkende Außenhaut ist im freien Verband gemauert und mit horizontalen Bändern profiliert, der Namenszug St. Trinitatis zudem großformatig in die Steinschicht eingraviert. Dem robusten, von wenigen, präzise gesetzten Fensteröffnungen pointierten Außenbild stehen helle Innenwelten gegenüber, deren Lichtgestaltung zwischen sachlicher Funktionalität in den Gemeinderäumen und einer aufgeklärten Spiritualität in den Sakralbereichen zu differenzieren weiß. Oberlichter tauchen den Kirchenraum und die Werktagskapelle in ein entrückendes Zenitlicht und laden die liturgischen Weg-Räume atmosphärisch auf. An Kreuz, Altar und Ambo wagt hier der Künstler Jorge Pardo ein farbiges Ornament.
Standort: Nonnenmühlgasse 2, 04107 Leipzig Architekten: Schulz &Schulz Architekten, Leipzig Bauzeit: August 2011 (archäolog. Grabung) bis Mai 2015