Schulungs- und Veranstaltungszentrum der HK Hamburg

Neu in Hamburg

~Jürgen Tietz

In der Boomtown Hamburg stehen Problemen wie dem kaum zu stillenden Wohnungsbedarf und den üppigen Denkmalschlachtungen neugebaute Preziosen wie der charmante »InnovationsCampus« der Handelskammer (HKIC) gegenüber. Vor einem Jahrzehnt entstand in einem Wettbewerb die Idee, den kleinen Adolphsplatz in zentraler Hamburger Innenstadtlage um ein neues Gebäude zu ergänzen. Wo zuvor nur Fleet und U-Bahn im Hamburger Untergrund verschwanden, sollte er ein Gegenüber für die Handelskammer formulieren, von der diese Idee mit Verve aufgegriffen und in einem multifunktionalen Schulungszentrum umgesetzt wurde. Für die Architekten bedeutete der Baugrund allerdings eine Herausforderung: So galt es, Wasser- und Bahnverlauf im Untergrund eine statische wie architektonisch tragende Antwort entgegenzusetzen, die zugleich auf die Enge des Stadtraums reagiert. Die Lösung lag darin, im rückwärtigen Bereich des Hauses ein pfahlgegründetes Brückenbauwerk zu errichten, an dem der schlankere vordere Teil in einer Stahl- bzw. Stahlbetonkonstruktion hängt. Im Innern lässt sich dies unter anderem an den massiven diagonalen Stützen ablesen.
Zum Platz hin präsentiert sich der Neubau als elegantes Schatzkästlein. Teilweise hinterleuchtete Pilaster aus transluzentem Glas rhythmisieren seine Fassade. Nur ein zentrales Riesenfenster durchbricht die Reihung und bietet als kleines Fest der Eitelkeiten Ein- und Ausblick auf die Handelskammer vis-á-vis und den Turm des Rathauses dahinter. Ansonsten erzeugt die strenge Taktung der Pilaster eine Referenz zur Rasterfassade des angrenzenden Bankhauses der Nachkriegsmoderne. Mit hanseatischem Understatement schiebt sich der schlanke Bau zwischen seinen Nachbarn, zieht erst links und dann auch rechts die Schulter hoch. Dabei entstehen seitliche Terrassen mit hoher Aufenthaltsqualität, die nicht zuletzt den Abstandsflächen geschuldet sind. Dem Haus tut das gut, das so wieder etwas von seiner Pilasterstrenge verliert. Im Innern reduzieren die Einzüge das ohnehin schon knappe Raumangebot. Generell hat man sich beim »InnovationsCampus« in sympathischer Weise vom Druck der ansonsten vorherrschenden räumlichen Maximalausnutzung befreit. Mit reichlich Erschließungsfläche, abgerundeten Ecken und einem zweigeschossigen Veranstaltungsraum für bis zu 199 Besucher ist es ein modernes Repräsentationsgebäude, das sich als Schlusspunkt in die Hamburger Machtachse aus Rathaus und Handelskammer einfügt.
Standort: Adolphsplatz 6, 20457 Hamburg Architekten: Johann von Mansberg Architekten, Hamburg,(Entwurf); Hörter + Trautmann Architekten, Hamburg, (Entwurfsvertiefung, Objektplanung, Innenarchitektur) Bauzeiten: Tiefgründung: August 2011 bis Februar 2012, Hochbau: Februar 2012 bis Februar 2014