Wohngebäude »Palazzo Cubico«

Neu in Frankfurt am Main

~Brita Köhler

Städtebaulich schließt sich jetzt eine Lücke im Häuserblock, die zuvor ein brachliegendes Eckgrundstück war und den Ausbau des Alleenrings ermöglichen sollte. Selbstbewusst steht das skulpturale Wohnhaus im Stadtraum und in spannungsvollem Kontrast zur Umgebung. Die sienafarbene Putzhaut zieht sich horizontal wie vertikal über Vor- und Rücksprünge des Gebäudes, die kleinteiligen Fensteröffnungen entsprechen in Größe und Proportion denen der Nachbarbebauung. Vier Jugendfreunde (zwei Architekten, ein Designer und ein Vertriebsfachmann) haben sich hier in Planer- und Bauherrengemeinschaft ihren persönlichen Wohntraum verwirklicht. Das Architekturbüro arbeitet im Erdgeschoss, darüber befinden sich zwei Lofts, zwei Maisonettewohnungen über drei Etagen sowie ein Appartement. Alle Domizile verfügen über vielfältige Freiräume – Loggien, Balkone oder Dachterrassen mit Blick über die Stadt. Überraschend ist das innen liegende Treppenhaus unter freiem Himmel, das als Anklang an ein mediterranes Atrium die Wohnebenen verbindet. Die Möbel- und Ausbauelemente im Inneren sind, wie das Gebäude selbst, körperhaft gestaltet und greifen in den Außenraum der Balkone über. Schranknischen schließen mit glatten Oberflächen ohne sichtbare Griffe ab, Armaturen und Beleuchtungselemente wurden in die Waschtische und Wände integriert. Die Fenster eröffnen effektvolle Ausblicke auf den vorbeirauschenden Verkehr, Oberlichter spenden indirektes Licht. Das Zusammenspiel der einzelnen Elemente wirkt perfekt inszeniert, wenn auch streng. Dem mediterranen Bauen, dem die Architekten zuneigen, fehlt es etwas an Leichtigkeit. Geradezu menschlich, dass hier und da noch offene Wunden klaffen: Eingangsbereich und einige Innenausbaudetails sind noch nicht fertig. Doch da ihnen kein fremder Auftraggeber im Nacken sitzt, sehen es die Architekten gelassen.
Standort: Burgstraße 60 Architekten: bernjus.gisbertz mit Florian Bauer, Frankfurt Fertigstellung: Dezember 2006