Foto: Lisa Farkas, Frankfurt a.M.
Wohnbebauung »Kulturcampus Frankfurt«

Neu in Frankfurt a. M.

~Enrico Santifaller

Es sollte eine »neue Epoche« beginnen, auf dem Areal ein »Modellquartier« entstehen, ein »Ort für die besten Köpfe der Frankfurter Kreativszene«. Doch, obwohl schon 2003 ein städtebaulicher Wettbewerb für den »Kultur-Campus« ausgelobt wurde, existiert bis heute kein genehmigter Bebauungsplan für das ehemalige Uni-Gelände im Stadtteil Bockenheim. Von Kultur ist inzwischen immer weniger die Rede, immer häufiger dagegen von Büros und Hochhäusern. Und die letzten Institute ziehen erst 2018 um. Mit weit weniger Triumphgeheul realisierte die städtische ABG Holding im Norden des Gebiets, hinter dem ehemaligen Straßenbahndepot, eine hochverdichtete Wohnbebauung mit rund 200 Wohneinheiten. Keine Siedlung, keine aufgelockerten Strukturen, kein flauer Kompromiss – sondern ein richtiges Stück Stadt: siebengeschossig, mit kraftvollen Gebäuden, städtischen, d. h. robusten Sockeln aus Vollklinkern oder gemauertem Naturstein und sogar einem großen Supermarkt im EG fürs ganze Quartier. Die Wohnungen sind in der Regel als Dreispänner organisiert, die größeren durchgesteckt, die kleineren zur Straße oder zum Platz orientiert. Und auf dem Dach des Supermarkts gibt es im 1. OG Mietergärten und einen kleinen Spielplatz. Für die Ausführung engagierte ABG die drei Preisträger des Wettbewerbs aus dem Jahre 2011: für vier Häuser in der nordwestlichen Ecke das Büro von Jens Jakob Happ, für das Pendant im Westen das von Karl Dudler und für die Mitte mit einer prominenten Eckausbildung das von Stefan Forster (s. Bild). Obwohl das Vokabular durchaus verschieden ist, stand bei den Architekten die Einfügung in das gemeinsame Ensemble und in die angrenzende Gründerzeitbebauung im Vordergrund.
Gesimse, Vor- und Rücksprünge sowie ein hoher Loggienanteil mit niedrigen Brüstungen gliedern die Putzfassaden der ablesbaren Häuser. Wobei Forsters runde Ecke zudem an die feinen Baukörper der gegenüberliegenden Verwaltungsgebäude der Firmen VDO und Hartmann & Braun erinnert, die in den 90er Jahren saniert und leider verhunzt wurden. Schließlich: Aufgrund der unterschiedlichen Finanzierungswege – Eigentum, frei finanziert, zwei verschiedene Förderprogramme – konnte im Block eine soziale Mischung entstehen, wie sie sonst nur noch in Gründerzeitquartieren herrscht.
Standort: Carlo-Schmid-Platz, Gräfstraße, Sophienstraße, 60325 FrankfurtArchitekten: Happarchitecture; Stefan Forster Architekten; Karl Dudler – alle Frankfurt a. M.Bauzeit: 2012-15, Eröffnung: Juni 2015