Museum Folkwang

Neu in Essen

~Nikolaus Bernau

Essen schwärmt: »Das schönste Museum der Welt« sei David Chipperfields Erweiterungsbau geworden. Angesichts von Neubauten für moderne Kunst, wie sie jüngst etwa in New York oder Chicago entstanden sind, ist das eine kühne Einschätzung. Dennoch: Chipperfield und sein Büro haben sicherlich einen der schönsten Neubauten der vergangenen Jahre geschaffen. Die gestaffelten Kuben mit Fassaden aus Glaskeramikplatten schillern semiindustriell mal hellgrün, mal grau, geben der reich befahrenen Bismarckstraße fast schon ein urbanes Ambiente. Breit führt eine Zugangstreppe zu einer Wandelhalle aus schlanken Stahlstützen, sie assoziieren klassizistische Würdeformeln, fast übersieht man angesichts dieser straffen städtebaulichen Komposition die fies orangefarbene Restaurantbeschriftung des Bauherrn. Das Foyer ist riesig, durch Glashöfe schweift der Blick. Hervorragend ist das immer den Wetterwechsel spürbar lassende Oberlicht in den fast schon intimen Galeriesälen. Sie folgen allerdings mit matt weißgrauen Wänden und zu hellen Böden aus geschliffenem Beton dem Modell des »White Cube« bis hin zu jenem berüchtigten Schattenschlitz zwischen Wänden und Böden, den man schon von Braunfels‘ Münchner Pinakothek der Moderne als Staubmaus- und Kleinmüllfänger kennt. Dabei ist doch schon seit jeher bekannt, dass solch lichtes Weiß so ziemlich jede Farbe ermordet und die Kunstwerke kleiner erscheinen lässt, als sie sind. Man sollte also mit einem Besuch des Museums warten, bis im Frühjahr auch der 1960 nach Plänen von Horst Loy, Werner Kreutzberger und Erich Hösterey errichtete Altbau mit seinen das Licht viel homogener filternden (und hoffentlich auch so belassenen) Oberlichtern, den hoch in die Wände eingelassenen Fenstern und raumhohen Verglasungen fertig restauriert ist. Dann erst wird nämlich der Clou von Chipperfields Entwurf deutlich: Das neue Folkwang hat eine Fülle von Belichtungsarten wie nur wenige andere Museen.
Standort: Museumsplatz 1 Architekten: David Chipperfield Architects, London/Berlin Eröffnung: Januar 2010