Foto: Jens Kirchner, Düsseldorf
Kraftwerk Lausward Block Fortuna

Neu in Düsseldorf

~Tanja Slasten

2012 wurde ein europaweiter Wettbewerb ausgeschrieben, mit dem Ziel, dem neuen Gaskraftwerk in exponierter Lage westlich der Innenstadt direkt am Rheinbogen eine individuelle, identitätsstiftende Fassade zu geben. Das Aachener Büro kadawittfeldarchitektur konnte mit seinem originellen Entwurf überzeugen: Das Konzept basiert auf dem Gedanken, unterschiedlich große Stahlrahmen wie umgedrehte »Us« über die verschiedenen Gebäudeteile der Anlage zu stülpen – parallel hintereinander geschaltet umschließen die einzelnen Segmente die technischen Anlagen und ergeben dabei einen abwechslungsreichen, aber dennoch homogenen Gebäudekomplex. Sie sind mit horizontalen Fassadenstreifen aus silbern schimmernden Stahlblechkassetten bekleidet und durch senkrechte, um etwa 50 cm zurückgesetzte und mit schwarzem Lochblech bekleidete Fassadenbänder voneinander getrennt. So entsteht tagsüber ein kontrastreiches Spiel mit hellen breiten und dunklen schmalen Fassadenelementen; es wandelt sich nachts, wenn die »Fugen« grün (in der Farbe der Stadtwerke) leuchten, der energetische Aspekt der Anlage somit sichtbar wird und ein strichcodeähnliches Bild ergibt.
Die letzte Kraftwerkshalle der linearen Gebäudekette liegt etwas abgerückt vom restlichen Komplex. Um eine Störung der visuellen Abfolge zu vermeiden, wurden frei stehende, funktionslose Fassadenscheiben in die Lücke gesetzt. Hier fehlen die schwarzen Fugenbänder samt Beleuchtung und somit liegt dieser Abschnitt nachts im Dunkeln und enttarnt diese »Fassadenattrappen« als solche.
Ein besonderer Hingucker ist das am nordöstlichen Endpunkt der Anlage gelegene 60 m hohe, beidseitig verglaste und um einige Grad aus der linearen Struktur herausgedrehte »Stadtfenster«, das alle anderen Gebäudeteile überragt. Es umschließt den 63 m hohen Schornstein.
Auf etwa 45 m Höhe befindet sich im Gebäude eine kleine, über einen Aufzug erreichbare Aussichtsplattform, von der aus die Besucher – mitunter bei schweißtreibenden Temperaturen – einen wunderbaren Blick auf Rhein, Stadt und das effizienteste und leistungsfähigste Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der Welt haben. Von dort lässt sich allerdings auch erkennen, dass der Gedanke durchgehender Rahmen inklusive homogener Dachaufsicht nicht umsetzbar war: Die Fassadenmaterialien enden in der Attika, es folgt ein Gewimmel technischer Dachaufbauten.
Standort: Auf der Lausward 75, 40221 Düsseldorf Architekten: kadawittfeldarchitektur, AachenBauzeit: Juni 2013 bis Januar 2016
Foto: Jens Kirchner, Düsseldorf