Bündner Kunstmuseum Chur, Foto: Ralph Feiner
Erweiterung Bündner Kunstmuseum

Neu in … Chur (CH)

~Ulf Meyer

Die Villa Planta in Chur ist ein schönes, kurioses Zeugnis der Orientliebe des 19. Jahrhunderts: Ein Schweizer Baumwollhändler war in Ägypten zu Vermögen gekommen und hatte sie 1876 nach Entwurf von Johannes Ludwig im hybrid-orientalischen Stil mitten in der Stadt errichten lassen. Als Sitz des Bündner Kunstmuseums (seit 1917) eignet sie sich allerdings nur zum Teil. Der von Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga entworfene Neubau erweitert die Flächen dramatisch – das italienisch-spanische Team war 2012 aus dem Wettbewerb als Sieger hervorgegangen. Das Naturhistorische und Nationalpark-Museum, 1929 von den Gebrüdern Sulser erbaut, wurde dafür ebenso abgerissen wie das einzige Gebäude von Peter Zumthor in Chur, ein Verbindungsgang von 1989.
Eine Spende von 20 Mio. CHF von Henry Carl Martin Bodmer machte den Neubau möglich. Im Straßenraum sichtbar ist nur der nahezu kubische Eingangsbaukörper, der die palladianische Architektur der Villa mit vier fast gleichen Ansichten und einer punktsymmetrischen Grundriss-Geometrie widerspiegelt. Unter dem Gebäude liegt ein weitaus größeres Volumen, in dem sich die neuen Sammlungs- und Wechselausstellungsräume befinden. Ein heller Steinbelag, der den ganzen Turm umgibt, zeichnet die Ausdehnung der unterirdischen Galerien nach. Über einem Betonsockel erhebt sich ein kassettierter Würfel. Das stufenpyramiden-artige Relief der Fassaden aus gegossenen Betonelementen ist eine Referenz an die orientalische Motivik der Villa Planta. Jacques Ambrosius von Planta hatte seiner Neo-Renaissance-Villa damals mit ägyptisierender Ornamentik ausstatten lassen.
Durch einen schmalen, hohen Eingangstrichter gelangt man in das weite Foyer, von dem aus durch große Fenster Blicke auf die Villa wandern. Die Treppe führt hinab in die neun Sammlungssäle oder hinauf zur Kunsthalle im Turm. Alle Räume sind gut proportioniert und flexibel, aber müssen mit Kunstlicht allein auskommen.
Der Neubau verdoppelt das Platzangebot, hat sein oberirdisches Volumen aber auf ein Minimum reduziert. Städtebaulich schafft er einen markanten Eckpunkt und eine präzise und klare Setzung in seinem Umfeld. Zusammen mit dem benachbarten Verwaltungsgebäude der Rhätischen Bahn ist ein eindrucksvolles urbanes Ensemble aus drei Solitären entstanden.
Standort: Grabenstraße 10, CH-7000 ChurArchitekten: Barozzi/Veiga, Barcelona (E)Bauzeit: Januar 2014 bis Februar 2016; Eröffnung: Juni 2016