Hochschulcampus

Neu in Bremen – Forschungsgebäude

~Oliver G. Hamm

Auf dem Bremer Hochschulcampus hat das Kölner Büro ksg gleich zwei neue Forschungsgebäude realisiert: einmal das »LION Bremen« für das Institut für angewandte Strahlentechnik BIAS an der zentralen Erschließungsstraße (der Innenausbau ist noch im Gange) und das »DLR-RY« des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt am Campusrand. Letzteres zeigt sich nach außen hin nicht nur wegen des unmittelbar benachbarten Autobahnkreuzes weitgehend geschlossen, sondern v. a. wegen der hochtechnisierten Laborräume, Werkstätten und Reinräume, in denen Forschungssatelliten getestet und Steuerungssysteme für Raumfahrzeuge entwickelt werden.
Trotz des hohen Sicherheitsstandards steht Besuchern ein Teil des zweigeschossigen Bauwerks auf quadratischem Grundriss offen: Von der imposanten Eingangshalle, in der ein Nachbau eines Spaceshuttle-Triebwerks die Blicke auf sich zieht, werden sie ins OG geleitet, wo große »Schaufenster« Einblicke in die Labore gewähren. Die den Besucherrundgang nach außen abschließenden Wände werden von zahlreichen kleinen Lämpchen auf schwarzem Grund geziert, die Sternenbilder simulieren und ein wenig Atmosphäre in das ansonsten sehr nüchterne Ambiente des Laborgebäudes bringen. Ansonsten prägen makellose Sichtbetonwände und -decken, kunststoffbeschichtete Estrichböden und natürlich viele technische Apparaturen das Erscheinungsbild der größtenteils auf sich selbst bezogenen Räume.
Architektonisches Highlight und so etwas wie eine überdimensionale Visitenkarte des DLR-RY ist die Fassade aus farbig changierenden, ca. 20 x 20 cm großen Keramikfliesen – eine Reminiszenz an den Hitzeschild eines Spaceshuttles. Die auf die wärmedämmende Hülle aufgeklebten Fliesen, die auch die Verbindungsbrücke zum Bestandsbau »Ecom 1« schmücken, erzeugen dank der scharenförmigen Verlegeart ein abwechslungsreiches und geradezu dynamisches Bild. Leider wird dieses durch ein allzu aufdringliches gelbes Farbband gestört, das den umlaufenden Sockelbereich betont. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
Standort: Robert-Hooke-Straße 7b, 28359 Bremen Architekten: Büro Kister Scheithauer Gross, Köln, mit Feldschnieders + Kister, Bremen Einweihung: August 2011