Gemeindezentrum Unser Lieben Frauen

Neu in Bremen

~Jürgen Tietz

Widerstandsfähiger Backstein und sturmdurchwehtes Norddeutschland pflegen ja von jeher ein symbiotisches Verhältnis. Mit seinem Gemeindezentrum Unser Lieben Frauen samt Kita und Andachtsraum im beliebten Wohnquartier Schwachhausen unterstreicht das Hamburger Duo Völlmar Architektur und Katja-Annika Pahl, dass sich die aktuelle bremische Ziegellust nicht nur im neo-postmodernen Duktus der Landesbank von Caruso St. John (s. db 12/2016, S. 68) austobt. Völlmar und Pahl entwickeln mit ihrem Neubau aus hellen Egernsunder Ziegeln stattdessen eine sanfte Intervention von nördlichem Understatement. Von der viel befahrenen Hermann-Heinrich-Meier-Allee durch einen Vorplatz getrennt und ins Grundstücksinnere zurückgezogen, entstand ein kleiner Stadtplatz als Empfangsgeste (Freiraumplanung: Anna Viader, Berlin). Im rustizierten Sockel des multifunktionalen Andachtsraums öffnet sich ein großes Stadtfenster, das sich bei Bedarf mit Holzlamellen von innen verschließen lässt. Ein liegendes Kreuz auf der geschlossenen Ziegelstirn des Hauses (Künstler: Susanna und Bernhard Lutzenberger, Bad Wörishofen) verdeutlicht nach außen, ohne sich aufzudrängen, worum es hier geht. Neben dem Eingangstor, das in den offenen Gartenhof leitet, begrüßt die Besucher ein Relief, das aus dem aufgegebenen alten Gemeindehaus stammt. Der Innenhof erinnert an einen Kreuzgang, eingefasst von einem gedeckten Umgang mit Stützen aus Betonfertigteilen.

Auch im Innern besitzt der klar in seine beiden Funktionseinheiten für Gemeinde und Kita gegliederte Neubau (Kosten: rund 4,4 Mio. Euro) einen poetisch sanften Pulsschlag. Diese Wirkung beruht auf der Harmonie des Entwurfs, einer reduzierten Farbpalette sowie den ausgewählten hochwertigen Materialien (Linoleumböden, alle Fenster und Holzeinbauten aus sibirischer Lärche). Hinzu kommt eine präzise Detailgestaltung. Das gilt für die Einbauschränke der Kindergarderoben ebenso wie für die Absturzsicherung im OG oder die schatzkästchengleiche Vertäfelung des Gemeinderaums. Dessen zurückhaltende Prinzipalstücke stammen ebenfalls von Lutzenberger + Lutzenberger.
Die Negativform des liegenden Kreuzes in der Fassade »drückt« sich im Andachtsraum als Positivform durch die Wand. Von einem Oberlicht erhellt, lässt es so Innen und Außen subtil verschmelzen und verleiht dem Raum sakrale Kraft.

Standort: Hermann-Heinrich-Meier-Allee 40, 28213 Bremen
Architekten:
Völlmar Architektur und Katja-Annika Pahl, Hamburg
Bauzeit:
Februar 2016 bis August 2017