Erweiterung Arndt Gymnasium

Neu in Berlin-Dahlem

~Jürgen Tietz

Die einstige Schönheit vieler Berliner Schulen ist heute nur noch eine bröckelnde Erinnerung. Das hat wenig mit Romantik zu tun, aber viel mit langjähriger Verwahrlosung. Das gilt auch für das Arndt-Gymnasium im noblen Berliner Südwesten. Da gleicht es einer Befreiung, vom vergammelten Altbau über einen Verbindungsgang mit seitlichem Knick in den betonrauen Neubau der Berliner AFF architekten zu treten. Dass dieser Knick nur noch eine Reminiszenz ist, liegt an der Wurzelerkrankung jenes Baums, der eigentlich so umschifft werden sollte, dann aber leider doch gefällt werden musste. Die Erinnerung an ihn lebt zudem in der hintergründigen Poesie der im Beton eingelassenen Holzscheiben des »Kopfbaums« der Künstlerin Barbara Wille weiter sowie in dem Motiv der ebenfalls geknickten Mittelpfosten der Fensterelemente. Als dritter Flügel fasst der außen ansonsten strenge Quader den Schulhof ein, der so zum Cour d’honneur wird. Im Innern des Neubaus erfüllen Sven Fröhlich und Francesca Boninsegna souverän das während einer langen Planungsphase angeschwollene Raumprogramm, das neben einer kleinen Mensa eine schöne Bibliothek sowie Klassen- und Fachräume umfasst (Gesamtbudget rund 7,1 Mio. Euro). Doch die Architektur erschöpft sich nicht in fachlicher Souveränität.
Sie schafft Raum für bauliche Lieblingsstücke wie die expressive Betontreppe, mit der die Schüler in der Eingangshalle begrüßt werden, oder die belebte Wegeführung, die den inneren Lichthof spannungsvoll gliedert. Die Qualität setzt sich bis in die Handwerklichkeit des Besenstrichputzes fort und zu dem sanft bronzeglimmernden Wandanstrich der Flure in »Perlbeige«. Die hart wirkende Fotorealität des Hauses erweist sich vor Ort als angenehm abgemildert, der Pinselstrich mutiert zum abstrakten Ornament und der beglückte Besucher gibt sich dem Gedanken hin: »Selbst in Berlin ist so etwas manchmal doch möglich«.

Standort: Königin-Luise-Straße 80, 14195 Berlin
Architekten:
AFF architekten, Berlin
Bauzeit:
2014 bis September 2017