Wohn- und Geschäftshaus für eine Baugruppe

Neu in Berlin

~Jürgen Tietz

Derzeit versucht die sozialdemokratisch geleitete Berliner Senatsbauverwaltung geradezu panisch, jene Fehlentwicklungen einzufangen, die sie in den vergangenen Jahr(zehnt)en durch zu wenig Sozialen Wohnungsbau selbst erzeugt hatte. Wer dagegen Wohneigentum erwerben will und sich nicht mit dem Einheitsbrei der Investoren zufrieden gibt, findet in Berlin mit den Baugruppen nach wie vor eine reizvolle Nische. Sie schaffen ein Forum für Architektur abseits ausgetretener Pfade und schrecken selbst vor »schwierigen« Baugrundstücken und Nachbarschaften nicht zurück. Das gilt auch für das sechsgeschossige »Dennewitz 1«, das eine rund 2 300 m² große Brache an einem charaktervollen Standort erschließt, den sich derzeit etliche Bauherren zunutze machen: vor der Tür der Park am Gleisdreieck, der Potsdamer Platz in fußläufiger Entfernung und die Besonderheit einer U-Bahntrasse, die durch ein Haus führt, vor der Nase.
Dennewitz 1 ist nicht nur das Ergebnis einer Bau- sondern zugleich einer Architektengruppe, die – unter der Federführung von roedig.schop architekten – anstelle der vorgesehenen Blockrandbebauung einen in drei Einzelgebäude untergliederten Solitär verwirklichte. Mit einem reizvollen Nebeneffekt: Der gemeinsame Bewohnergarten auf der Rückseite eröffnet eine öffentliche Sichtachse. Damit die drei Häuser mit vorgegebenen Brüstungshöhen und eingeschnittenen Loggien optisch nicht auseinanderfallen, wurden sie oberhalb eines Sichtbetonsockels mit einer charmanten, ruppig-eleganten, goldeloxierten Gitterrostfassade einheitlich umhüllt. Den Rahmen der baulichen Möglichkeiten setzte das vereinbarte Budget von rund 2 100 Euro/m². Es ergab neben dem Verzicht auf eine Unterkellerung im Innern einen »veredelten Rohbau« mit Estrichboden und Betonwänden. Für eine Grundrissvielfalt hinter der Fassadeneinheit sorgen die drei Architekturbüros durch die unterschiedliche Positionierung der Treppenhäuser. Organisation, Qualität und Vielfalt der Wohnungsgrundrisse überzeugen bereits im Bauteil von Christoph Roedig und Ulrich Schop. Den allerbesten Ausblick über die Dächer der Stadt besitzen jedoch die Abstellboxen als Kellerersatz auf dem kollektiv genutzten Dach. Solch hochwertige Fläche hätte sich ein konventioneller Investor gewiss nicht für die Wohnnutzung entgehen lassen.
Standort: Pohlstraße 1-5, 10785 Berlin Architekten: ARGE D1, Berlin (Haus A: DSMW, Haus B: sieglundalbert architekten, Haus C: roedig . schop architekten) Fertigstellung: September 2013