Sammlung Boros

Neu in Berlin

~Claus Käpplinger

Kunst- und Gruselkabinett in einem ist Berlins jüngstes Privatmuseum. Aus einem Hochbunker der NS-Zeit wurde der Kulturbunker Boros mit einer erlesenen Kunstsammlung und einem nicht minder exquisiten Penthouse für das Sammlerehepaar. Das Gebäude, das in seiner wechselhaften Geschichte erst für den Luftschutz gebaut, dann als sowjetisches Militärgefängnis, Kühlhaus, Techno- und Sadomaso-Lusthöhlenlabyrinth genutzt wurde, erfuhr eine erstaunliche Metamorphose.
Die jungen Berliner Architekten ließen das Äußere des Bunkers nahezu unangetastet und arbeiteten vor allem subtraktiv im Inneren. Aus 120 Kammern mit 2,30 Meter Standardhöhe schnitten sie achtzig sehr unterschiedliche Räume, die nun Höhen bis zu zwölf Metern erreichen. Dazu wurden Decken und Wände aufwendig über drei Jahre hinweg mit Diamantfräsen entfernt, so dass am Ende 750 Kubikmeter Beton aus dem 36 x 36 x 16 Meter großen Bunker verschwanden.
Das Ergebnis: Verblüffende Raumverbindungen und Sichtbeziehungen, völlig unerwartete vertikale Raumweitungen mit Emporengalerien, die über mehrere Geschosse miteinander verzahnt sind. Neutrale weiße Wandflächen wechseln sich nun mit fast unbehandelten Betonflächen und offenen Abbruchkanten ab, welche die ungeheure Masse des Bunkers sichtbar machen. Graffitis wurden nur so weit abgeschliffen, dass ihre Botschaften nicht mehr lesbar sind und nun den zumeist plastischen Kunstwerken als abstrakter Hintergrund dienen.
Greifbarer blieben hingegen die Überbleibsel aus der NS-Zeit, mächtige Stahltüren, Lüftungs- und Treppenanlagen. Sie und einige Kunstobjekte verstärken den besonderen Charakter des Gebäudes, wie etwa die Installation eines Krankenzimmers mit einem Patienten aus Wachs, der recht theatralisch zu einer der wenigen Öffnungen des Bunkers positioniert wurde und nun die Gäste eines nahen Hotels schockiert. Irritationen und Event, leichtes Schaudern vor der düsteren Geschichte und hoher Kunstgenuss verbinden sich so im Boros-Bunker zu einer wohl-kalkulierten Einheit der Inszenierung.
Standort: Reinhardtstraße 20 Architekt: Realarchitektur (J. Casper, P. Petersson, A. Strickland), Berlin Fertigstellung: Dezember 2007