Architekt: Gerhard Spangenberg, Berlin
Radialsystem V – Altes Pumpwerk

Neu in Berlin

~Urte Schmidt

Der neue Veranstaltungsort für darstellende und bildende Kunst liegt zwischen Mitte, Kreuzberg und Friedrichshain idyllisch ruhig am Wasser und gleichzeitig zentral. Dicht an das alte Pumpwerk schmiegt sich einer der beiden Riegel des Neubaus. Der andere erhebt sich im rechten Winkel dazu, repräsentativ zum Wasser hin, auf Stützen über einer Dachterrasse. Die leichte Stahl-Glas-Konstruktion der Fassade kontrastiert mit dem schweren, farbigen Mauerwerk. Bei Nacht setzt der illuminierte Anbau den Altbau beinahe sakral in Szene. Architekt und Betreiber-GmbH betonen das dialogische Prinzip, das sich im Bau und seiner Bespielung zeige. Alte und klassische sowie neue und zeitgenössische Werke werden hier in Form von Musik und Tanz, Kunst und Medien geprobt, ausgestellt und aufgeführt. Auch Kultur und Wirtschaft stehen im Dialog, arbeiten hier gemeinsam. Das Radialsystem V, dessen Name sich von den Ende des 19. Jahrhunderts eingeführten Wasserversorgungssystemen ableitet, soll in architektonischer und kultureller Hinsicht in die Umgebung ausstrahlen.
Die großen erhaltenen Hallen sind von sehr unterschiedlichem Charakter: die eine düster und erhaben, mit frühindustriellem Dachraum, die andere hell und freundlich ausgebaut mit Holzfußboden und Betonstützen. Die neuen Räume sind klar und zurückhaltend in Sichtbeton, Stahl und Glas gestaltet. Bei Sonnenschein glitzert die Fassade aus beweglichen Glaselementen, spiegelt die sanften Wellen der Spree und lässt vibrierendes Licht einfallen. So transformiert der Neubau das Vorhandene und belebt ein Stadtgebiet, dem eine große Zukunft vorausgesagt wird.
Standort: Holzmarktstraße 33 Architekt: Gerhard Spangenberg, Berlin Fertigstellung: September 2006