Fakultätsgebäude Kunst, Musik und Design der Universität Bergen

Neu in Bergen (N)

~Falk Jaeger

Prodekanin Anne Helen Mydland hat ein radikales Lehrkonzept für die Ausbildung an ihrer Fakultät: maximale interne Kommunikation, maximale Öffentlichkeit. Das neue Fakultätsgebäude in einem derzeit in Konversion befindlichen innenstadtnahen Industriegelände bietet den gewünschten Rahmen. Wie ein überdimensioniertes Schaufenster öffnet sich die Glasfassade zum Vorplatz, der seinerseits schon Aktions- und Bühnenraum ist. Im Innern eine große, zentrale Halle, die sich in zwei Stufen nach oben treppt. Sie ist transitorischer Raum, in dem sich die 350 Studenten täglich begegnen, sie ist öffentlicher Aktionsraum für Ausstellungen und Performances und Zugang zum Café und zur Bibliothek. Sie bietet Aus- und Einblicke in alle Geschosse und Abteilungen der Hochschule. Schon die ersten Monate Lehrbetrieb zeigten, dass hier alle miteinander ins Gespräch kommen und sich zahlreiche interdisziplinäre Kooperationen entwickelten. Auch symbolisch vermittelt das Gebäude diese Haltung. An der Aluminiumfassade auskragende gläserne Boxen öffnen einerseits Ausblicke in die Straßen und über den Fjord und andererseits Einblicke in das Treiben im Haus. Die Fakultät möchte aktiver Teil des Bergener Kulturlebens sein.

Die funktionale Konzeption des Hauses sieht wenig spezifische Räume vor, stattdessen vielfältig und permanent genutzte Räume unterschiedlichen Zuschnitts für Installationen oder Seminare, Werkstattbetrieb oder Meetings – etwa das Auditorium, dessen Teleskoptribüne sich in fünf Minuten in die Wand fahren lässt, um Platz für andere Aktivitäten zu schaffen. 24/7 ist das Prinzip, das Haus wird rund um die Uhr genutzt.

Rundum überzeugend und offensichtlich aufgegangen ist das Konzept der Architekten, die Innenräume vollkommen unprätentiös, geradezu brutalistisch zu gestalten. Die Materialien sind nicht behandelt oder beschichtet, Farben gibt es nicht, der Beton ist blank, die Wände sind nicht gestrichen, die Stahlteile, Träger, Geländer etc. sowie der Stirnholzboden nur geölt. Eine ihrer Regeln: An einem Detail dürfen nie mehr als drei Materialien zusammen kommen. Nur ein solches robustes Design, sagen die Architekten, hält den Gebrauch durch Kunststudenten aus. Es sieht so aus, als ob sie Recht behalten würden.

Standort: Møllendalsveien 61B, N-5009 Bergen
Architekten:
Snøhetta, Oslo
Bauzeit:
2016 bis 2017, Einweihung 11. Oktober 2017