Naumburg

Nietzsche-Dokumentationszentrum

~Matthias Grünzig

Leere Häuser und Abrissbrachen künden von der Abwärtsspirale aus Wirtschaftskrise, Bevölkerungsrückgang und Leerstand, die auch in Naumburg allgegenwärtig ist. Angesichts dieser Lage ist es verständlich, dass die Stadt ihre bedeutenden Persönlichkeiten möglichst gut zu vermarkten versucht. Zu ihnen zählt Friedrich Nietzsche, der 1850-58 und dann wieder 1890-97 in Naumburg lebte. Ein Wohnhaus des Philosophen dient seit 1994 als Museum. Gleich nebenan wurde nun der Neubau des Dokumentationszentrums eingeweiht, das die Stellung Naumburgs als Nietzsche-Zentrum stärken soll.
Die 2002 im Wettbewerb erfolgreiche Architektin Sabine Brück (damals Kirchmeier Graw Brück Architekten Planungs-GmbH) hat diese Herausforderung überzeugend gemeistert. Sie errichtete am Rande der Altstadt, direkt an der Stadtmauer, einen strahlend weißen Kubus mit großen Glasfronten, der als markanter Blickfang wirkt.
In den Innenräumen erlebt der Besucher eine Steigerung an Raumwirkungen. Den Eingang bildet ein schlichtes Foyer im EG. Im ersten OG folgt der Ausstellungssaal, der dank seiner Höhe von zwei Etagen und den großen Fenstern hell und großzügig wirkt. Weniger gelungen ist der ebenfalls im ersten OG untergebrachte Lesesaal. Hier sorgen weiße Wände, weißes Mobiliar und heller Linoleumfußboden für eine etwas unterkühlte Atmosphäre. Den Höhepunkt markiert zweifellos der Veranstaltungssaal im 2. OG: Große Glasfronten lassen viel Licht in den Raum und erlauben reizvolle Ausblicke auf die Naumburger Altstadt. Filigrane Eleganz verbreitet die sichtbare Holzkonstruktion, die das tragende Gerüst eines Großteils des ansonsten in Beton erstellten Gebäudes bildet.
Bemerkenswert ist zudem die Nutzung der Erdwärme, die im Sommer zur Kühlung und im Winter zur Heizung verwendet wird. Diese Qualitäten runden den Neubau ab, der Naumburg hoffentlich neue Aufmerksamkeit bescheren wird.
Standort: Wenzelsgasse 18, 06618 Naumburg (Saale) Architektin: BAP Brück Architekten Projektsteurer, Köln/Erfurt Eröffnung: Oktober 2010