Muttenz (CH)

FHNW-Campus

~Hubertus Adam

Hochschulpolitik in der Schweiz unterliegt eidgenössischem Föderalismus, und insofern bedurfte es für den Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz auch eines Standorts im Kanton Basel-Land.

Vom Bahnhof Muttenz aus ist zunächst das dräuende Justizzentrum (2014, Kunz und Mösch Architekten) zu passieren und dann ein suburbanes Wohnquartier, bis man das riesige Volumen des Hochschulneubaus von pool Architekten erreicht, in dem neben diversen anderen Fakultäten auch die Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik ihr neues Domizil gefunden hat: 64 m breit, 72 m lang, 64 m hoch. Fast ein Würfel. Platz genug für 3 700 Studierende und 870 Mitarbeiter, und alles in einem Haus. Kein Campus mithin, ein Solitär dank umlaufender Fassade, ein Monument.

Die feingliedrige Rasterstruktur der vierzehngeschossigen Fassaden aus Glas und anodisiertem Aluminium zeigt eine gewisse Zurückhaltung und verweigert sich der allzu großen Geste, gibt aber Aufschluss über den inneren Aufbau des Gebäudes. Über dem allseits verglasten Eingangsgeschoss sind zwei geschlossene Ebenen mit den Hörsälen angeordnet. Das vollflächig verglaste 3. OG ist der Bibliothek vorbehalten und bildet eine Zäsur, die zu den neun Normgeschossen mit ihrer engen Fensterreihung überleitet. Ein Technikgeschoss bildet den oberen Abschluss. Ebenfalls ablesbar an den Fassaden sind die Vertikalen der vier Erschließungsschächte. Diese bilden die Tragstruktur des als Geviert um ein zentrales Atrium organisierten Gebäudes.

Sobald man das Atrium betritt, weicht die äußere Zurückhaltung einer forcierten Expressivität. Sechs betonierte Treppenläufe sind in unterschiedlichen Winkeln quer durch den Lichthof geführt und verbinden das EG mit den Bibliotheks- und Hörsaalebenen – ein Raum, wie er in der Schweiz ohne Vergleich ist. Der eigentliche Clou, welcher den Sog in die Höhe intensiviert: Über dem 3. OG verändert sich die Logik des Gebäudes, ein Mittelriegel tritt hinzu, der als stützenfreie Stahlbeton-Brückenkonstruktion die Mitte des Atriums 35 m weit überspannt.

Der Lichthof spaltet sich auf in zwei breitgelagerte Schächte, um die herum sich die Institutsbereiche abwickeln, mit den Büros nach Westen und Osten und den studentischen Arbeitsbereichen im Norden und Süden sowie im Mittelriegel. In den drei unteren Ebenen des Mittelriegels finden sich Labors, ganz oben lädt eine Dachterrasse zur Pause.

Standort: Hofackerstraße 30, CH-4132 Muttenz
Architekten:
pool Architekten, Zürich
Einweihung:
Oktober 2018


Beleuchtung:

    Zumtobel entwickelte für das Gebäude gemeinsam mit den Lichtplanern von Reflexion die lineare Leuchte FREELINE, von der mehr als 13 km zwischen den Beton-Deckenrippen eingefügt wurden, sodass eine gleichmäßige Lichtdichte und Lichtsetzung die Räume prägen kann.
    Allein ein schmales U-Profil aus Aluminium und eine PMMA-Abdeckung bestimmen die Gestalt der FREELINE; das Betriebsgerät ist ausgelagert.
    Die primäre Optik setzt sich aus einer Hochleistungslinse, die das Licht des LED-Bandes bündelt, und einem Diffuser, der das Licht gezielt zu den Austrittsflächen unterhalb des Aluminiumprofil lenkt, zusammen. Die sekundäre, mikroprismatische Optik (MPO) dient der präzisen Lichtlenkung für Büroanwendungen.
    Eine von zwei FREELINE-Versionen ist durch die präzise Lichtlenkung für Büro- und Schulraumanwendungen geeignet, die zweite mit lentikulärer Optik als Wallwasher oder als Tafelbeleuchtung in den Seminarräumen.
    www.zumtobel.com