HFF M?∫nchen, ?—gyptisches Museum M?∫nchen, Architektur: Peter B??hm, K??ln
Staatliches Museum Ägyptischer Kunst

… München

~Claudia Hildner

Eine Hochschule und ein Museum im selben Gebäude: Kann das funktionieren? Bei der Kombination der Hochschule für Fernsehen und Film (s. db 10/2011, S. 58) und dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst funktioniert es, da beide Nutzungen räumlich klar voneinander getrennt sind – die Hochschule oberirdisch, das Museum im UG. Gestalterisch bilden die beiden Bauteile eine Einheit – daher lässt sich die hoch aufragende Wandscheibe, die den Eingang des Museums markiert, erst dann als Portal erkennen, wenn man unmittelbar vor ihr steht. Symmetrie und Farbgebung des Eingangsbauwerks, das die Besucher über eine flache Freitreppe in die grau-beige Welt des Museums eintauchen lässt, erinnern an Torsituationen ägyptischer Tempel. Vom Foyer aus führt eine weitere Treppe in die Tiefe – dem Besucher wird das Gefühl vermittelt, eine Art Ausgrabungsstätte zu betreten. In der Tat handelt es sich hier um einen historischen Ort: Bis vor Kurzem hat sich an dieser Stelle eine Bunkeranlage der Nationalsozialisten befunden.
Den Auftakt der Raumsequenz des Museums bildet die Skulpturenhalle rund um den länglichen Lichthof, der von Stützen mit dreieckigem Querschnitt begrenzt wird. Tageslicht, das auch aufgrund der besonderen Form der Pfeiler vor allem indirekt einfällt, lässt die Halle sakral anmuten. Die Wände und Decken der Ausstellungsräume sind in hellem Sichtbeton gehalten, als Bodenbelag wurde ein beige-grauer Naturstein gewählt – die Oberflächen halten sich zurück, und die Exponate rücken in den Mittelpunkt. Architekturfreunde kommen auf ihre Kosten, denn durch die Ausstellung führt ein Parcours, den unterschiedliche Raumgrößen und -höhen sowie zahlreiche Windungen, Verengungen und Aufweitungen prägen. Licht von unten und von der Seite lässt die zurückhaltende Architektur mysteriös erscheinen; schmale Schlitze verbinden die kleineren Kammern bisweilen mit der Skulpturenhalle, wodurch ein räumlicher Zusammenhang hergestellt wird. Anders als viele seiner Nachbarn im Münchener Kunstareal versucht das Museum nicht, um jeden Preis Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Innern überzeugt der Bau jedoch mit einer fein austarierten Raumkomposition und einer Ausstellungsgestaltung, die auch weniger kunst- und geschichtsinteressiertes Klientel zu begeistern vermag.
  • Standort: Arcisstraße 16, 80333 München Architekten: Peter Böhm Architekten, Köln; Ausstellungsgestaltung: Die Werft, München Eröffnung: Juni 2013
  • Zu den Verbundsicherheitsgläsern von Glas Trösch, aus denen die Vitrinen mit Klebeverbindungen konstruiert wurden, lesen Sie die Produktmeldung in db 10/2013, S. 102.