Arge HPP/ASTOC, Düsseldorf/Köln, Foto: Christa Lachenmaier
Neubau der Hochschule Ruhr West

… Mülheim an der Ruhr

~Ulf Meyer

Auf dem Areal eines Eisenbahn-Ausbesserungswerks wurde für die erst 2009 gegründete Hochschule ein autofreier Campus mit acht Bauten entwickelt. Etwa 3500 Studenten sind hier in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) eingeschrieben. Das Kölner Büro ASTOC, das schon an der Grundstückswahl des Baugeländes beteiligt war, hat sich für seinen bis dato größten Hochbau mit den Routiniers von HPP zusammengetan. Der städtebauliche Ansatz für das tortenstückförmige Baugelände im Stadtteil Broich zielt auf Anbindung und Integration in das kleinbürgerliche Wohngebiet jenseits der Straße. In dem stark von Migranten geprägten Quartier wollten die Architekten keinen entrückten akademischen Elfenbeinturm schaffen, sondern einen niedrigschwelligen »Teil der Stadt«. Dass der Campus allzeit zugänglich ist, ist eine große Qualität – und seine unverwüstliche Ausführung mit Betonböden der Preis, der für diese freundliche Geste zu zahlen ist. Der zentrale Bibliotheksquader ist das höchste Gebäude auf dem Campus und definiert zusammen mit Licht-Stelen einen Vorplatz am neuen Haltepunkt der Straßenbahn. Große Fenster mit roten Sonnenschutz-Lamellen kontrastieren mit Klinkern aus der Region in erdigen Tönen. Die unteren drei Etagen des Bücherturms sind öffentlich zugänglich, darüber liegen Räume für konzentriertes Arbeiten.
Alle Institutsbauten der Fachhochschule verfügen über horizontale Fensterbänder und rote Loggien und Erker, die kleine Sitzecken und Ruheorte bilden. Perforierte Aluminium-Lamellen in vier Rottönen markieren auch die Mensa in der Mitte des Campus‘, deren weite Auskragung einen witterungsgeschützten Vorplatz bildet. Alle vier Instituts- und die vier Sondergebäude (Mensa, Hörsaalgebäude, Bibliothek und Parkhaus) haben unterschiedliche Volumen. Vor- und Rücksprünge profilieren die aufwendig gestalteten Fassaden in unterschiedlichen Tiefen. Die Innenräume wirken mit ihrem Werkstatt-Charakter hingegen eher industriell.
Die zwei- bis fünfgeschossigen Bauten öffnen sich zum Wohngebiet Duisburger Straße mit öffentlichen Plätzen, die auch den Anwohnern für Freizeitaktivitäten zur Verfügung stehen. In dieser Auffassung eines Hochschulcampus‘ als Stadtbaustein liegt die größte Qualität der HRW-Neubauten.
Standort: Duisburger Str. 100, 45479 Mülheim an der RuhrArchitekten: ASTOC, Köln, mit HPP, DüsseldorfFertigstellung: Februar 2016, Übergabe: Juni 2016