Romsdal-Museum

… Molde (N)

~Hubertus Adam

Die ersten Freilichtmuseen entstanden in Skandinavien: 1881 hatte König Oskar II. von Norwegen eine historische Gebäudesammlung bei Kristiania (heute Oslo) eingerichtet, die später in das Norsk Folkemuseum integriert wurde, 1891 eröffnete das Freilichtmuseum Skansen auf der Stockholmer Halbinsel Djurgården. Das Romsdalmuseet im norwegischen Molde, gegründet 1912, öffnete 1928 seine Tore und umfasst heute rund 50 Gebäude aus der Zeit zwischen 1600 und 1900, die zu Ensembles zusammengefasst sind. Das Innere der Häuser ist nur während der norwegisch-typisch kurzen Sommersaison zu besichtigen, das ausgedehnte parkartige Areal ist jedoch ganzjährig zugänglich.
Nach Entwürfen des Büros Reiulf Ramstad Arkitekter, das 2007 den Wettbewerb gewonnen hatte und das hierzulande durch seine an den norwegischen Touristenrouten realisierten Aussichtspunkte Havøysund und Trollstigen bekannt wurde (s. db 7/2010), ist nun ein neuer Museumsbau entstanden, der ein früheres Administrationsgebäude ersetzt. »Krona« ist sein Name, und seine Gestalt mit Zeltdach wirkt tatsächlich wie eine Krone. Das lang gestreckte Volumen, das sich am östlichen Rand des Museumsareals befindet, ist mit einer Schalung aus lokalem Kiefernholz bekleidet und wird durch eine Abfolge asymmetrisch ausgebildeter Satteldächer gegliedert, die auch in den geknickten Fassaden ihre Entsprechung finden. Für die als Black Boxes ausgebildeten und damit vom Tageslicht abgeschirmten Ausstellungsbereiche – die Dauerausstellung und eine Halle für Wechselausstellungen – mag die Form des Gebäudes nicht von Bedeutung sein. Sie ist es aber im Bereich der kreuzförmig organisierten Erschließungszone mit ihren Deckenuntersichten aus Holzstäben; ein Gang führt vom Eingang zu den Ausstellungsbereichen, eine quergelagerte, hallenartig aufgeweitete Achse verbindet Bibliothek, Rezeption und Café. In der Bibliothek, besonders aber im Café ist der Luftraum durch Galerien unterteilt, das Licht dringt von oben durch die Spitze des Gebäudes ein.
Im Museum selbst wird die regionale Kulturgeschichte inszeniert. Das wichtigste historische Exponat stellt die Innenausstattung des kleinen Merzbaus dar, den Kurt Schwitters in den 30er Jahren auf der Molde vorgelagerten Insel Hjertøya schuf.
Der Neubau in Molde steht in der Achse der städtischen Gebäude des Freilichtmuseums. Durch seine Form wird er als Dominante erkennbar, ohne jedoch die kleinmaßstäblichen historischen Bauten zu bedrängen. Trotz seiner markanten Gestalt fügt sich das Gebäude erstaunlich gut in das Ensemble ein, nicht zuletzt, weil das Material Holz und die Dachformen abstrahiert an norwegische Häuser erinnern.
Standort: Per Amdams veg 4, N-6413 Molde Architekten: Reiulf Ramstad Arkitekter, OsloBauzeit: 2014 bis 2016, Eröffnung: Februar 2016