Elsbethenareal

… Memmingen – Elsbethenareal

~Simone Hübener

Den Architekten, die einen Städtebau mit engen Gassen anstreben, machen die Vorschriften meist einen Strich durch die Rechnung. Die Abstände zwischen den einzelnen Gebäuden müssen aus brandschutztechnischen Gründen und zur ausreichenden Belichtung und Belüftung der Innenräume meist viel größer dimensioniert werden als es die historisch gewachsenen Strukturen der Altstädte vorgeben. Glücklicherweise gibt es hie und da auch noch Planungsämter, die zugunsten eines besseren Ergebnisses auch mal eine Ausnahme zulassen. So geschehen im beschaulichen, etwa 50 km südlich von Ulm gelegenen Städtchen Memmingen. Dort sollte das Landestheater erweitert werden, ein neues Geschäftshaus sowie ein Wohn- und Ärztehaus entstehen. Bereits im Wettbewerb waren enge Gassen ausdrücklich zugelassen und erwünscht. Die siegreichen Architekten griffen dieses Gestaltungsmerkmal auf und ließen sich bei ihrer Planung von einer weiteren Besonderheit Memmingens leiten: Bei vielen der kleinen, alten Häuser im Zentrum reichen die Traufen der Giebeldächer bis auf halbe Gebäudehöhe herunter. Daher bestimmen nun flache und steilere, weit herunterreichende Giebel auch die Neubauten. Die Art, wie die Architekten mit den Wandflächen umgegangen sind, verstärkt diese Zweiteilung. Denn mal ist die untere Hälfte massiv, fast fensterlos, der obere Teil dagegen großflächig verglast und mit senkrechten Betonstelen gegliedert, mal ist es umgekehrt. Aus Respekt vor dem historischen Kontext und um kühle Glasarchitektur mitten in die Altstadt zu vermeiden, sind viele der Fensterflächen mit Lichtfiltern aus durchbrochenem Blech ausgestattet. Die Art der Lochung basiert auf einem traditionellen Ätzspitze-Muster und zeigt Motive, die in Bezug zu verschiedenen Nutzungen des Platzes und der Gebäude stehen.
Im Hinblick auf den Städtebau haben die Neubauten eine wichtige Funktion. Sie definieren fehlende Raumkanten und schaffen Plätze, die die Aufenthaltsqualität im Zentrum deutlich erhöhen. So ist beispielsweise der Schrannenplatz wieder als solcher erlebbar; er hatte durch den Abriss der historischen Schranne Anfang der 50er Jahre eine wichtige Raumkante verloren.
Die historischen Formen der Neubauten kombinierten die Architekten mit hochwertigen Materialien, wie eingefärbtem Edelkratzputz, Sichtbeton und Massivholz und werteten so den Stadtraum rund um die neuen Häuser auf.
Standort: Schrannenplatz 6/8, 87700 Memmingen Architekten: trint + kreuder d.n.a, Köln Fertigstellung: Mai 2011