Studien- und Konferenzzentrum

… Mannheim

~Wolfgang Bachmann

Der Nutzer des neuen Souterrains im kurfürstlichen Schloss ist die Mannheim Business School. Sie bietet ein postgraduales Studium zum Master of Business Administration, das Absolventen und berufserfahrene Angestellte (für knapp 40 000 Euro im Jahr) auf eine Führungsposition vorbereiten soll – und mit dessen Grundstruktur einer der schärfsten MBA-Kritiker, der FDP-Politiker Thomas Sattelberger, hart ins Gericht geht, sieht er doch im MBA-Studium eine Kaderschmiede für die Auswüchse des Finanzkapitalismus.

Hinter dem gesicherten, diskreten Zugang empfängt unter den historischen Gewölben eine eingestellte weiße Box, in der sich Garderobe und Toiletten verbergen. Sie ist mit weißen Holzleisten schraffiert, ihre Profilierung samt dem hellen Terrazzo wird zum begleitenden Thema. Nach unten führt eine Treppe, deren Flanken dem Ort und seiner Bedeutung entsprechend in Stuccolustro schimmern. Unten, auf dem Niveau des nach dem Krieg eingebauten Kohlenkellers, überrascht eine architektonische Installation. Denn alle Wände stoßen mit einer Verglasung gegen die Decke, sodass ein transparentes, spiegelndes Gefüge entsteht, als hätte Dan Graham den Studenten eine künstlerische Falle gestellt. Tageslicht kommt von der Stirnseite, hier ist der Schlossgarten kraterartig abgeböscht. Von Weitem entdeckt man nur ein Edelstahlnetz über der bogenförmig in den Rasen schneidenden Glasfassade. Der konstruktive Aufwand lässt sich ahnen.

Neben einem kantigen weißen sind zwei halbrunde, vollständig rot ausgeschlagene Hörsäle die Attraktion. Es könnte sich um Kinos für erotische Filme handeln. Über den Sitzreihen wölbt sich der Plafond mit barocker Spielfreude, es fehlt nur die Bemalung. Stattdessen unterstützt den Lehrbetrieb modernste Elektronik, sie reicht bis in die Laptops der Studenten. In zehn separaten Konchen setzen sie in Arbeitsgruppen ihre Projekte fort.

Unvorstellbar, dass einer seinen »Tag« in die Pulte kratzt, den Teppichboden besudelt oder eine Wandzeitung anheftet. Der Architekt Michael Schumacher fand es spannend, »ein Barockschloss noch schöner zu machen, als es ohnehin schon ist«. Der Business School ging es darum, erläutert Ralf Bürkle, Director for Marketing & Communications, »dass das Ambiente exklusiv ist«. Das Schloss ist den Aufwand wert (Baukosten: 9 Mio. Euro). Gut, dass man der Versuchung zur neobarocken Ergänzung widerstand.

Standort: Mensawiese, 68159 Mannheim
Architekten:
schneider+schumacher, Frankfurt a. M.
Bauzeit:
Juli 2015 bis Juni 2017 (Übergabe: Oktober 2017)