Sitz der Finanzaufsicht CSSF

… Luxemburg (L) – CSSF

Der Neubau für die Luxemburgische Bankenaufsicht (Commission de Surveillance du Secteur Financier, CSSF) ist ein gutes Beispiel für den neuen Stil der intelligenten Sparsamkeit der Mittel. Die Architekten nennen die CSSF angesichts des wachsenden Platzbedarfs »eine prosperierende Behörde«. Tatsächlich ist die Anzahl der 650 Büroarbeitsplätze in einem Zwergstaat wie Luxemburg bemerkenswert. Mit dem Neubau ist es gelungen, den Zeitgeist der Austerität in eine reduzierte Architektur zu übersetzen. Die Gebäudeform entwickelt sich allein aus der Kontur des Grundstücks und definiert so klare städtebauliche Raumkanten. Ein Innenhof öffnet sich in den ersten beiden Stockwerken zur Landschaft im Süden. Die völlig homogene, vertikal gegliederte Lamellen-Fassade aus hellen Betonfertigteilen lässt das Gebäude in der Schrägansicht geschlossen erscheinen. Dann steht es im Kontrast zum gläsernen Foyer, und es entsteht ein »Wechselspiel zwischen Transparenz und Diskretion« (JSWD). Die winzige Solaranlage auf dem Dach ist eher symbolischer Natur, den Architekten ging es vorrangig darum, durch den Einsatz von Tageslicht, eines Kühlsystems mit Betonkernaktivierung und Wärmerückgewinnung Energie und Ressourcen (und damit Geld) zu sparen. Die Nachhaltigkeit in der Architektur findet hier über den Umweg der wirtschaftlichen Einschränkung endlich in die Mitte der zeitgenössischen Baukunst. Schließlich steht das ungestörte Studium der Wirtschaftszahlen im Vordergrund des architektonischen Bemühens.

Im Zeitalter der energischen Sparpolitik und der Finanzaufsicht zeigt sich die Architektur der neuen Wirtschaftswelt: Finanz-Aufsichtsbehörden wie die CSSF platzen räumlich aus allen Nähten und suchen in größeren Neubauten architektonisches Profil und Präsenz im Stadtraum. Steigendes städtebauliches Selbstbewusstsein steht auf der einen, Diskretion und Reduktion im baulichen Ausdruck auf der anderen Seite.
Standort: 283, route d‘Arlon, L-1150 LuxemburgArchitekten: JSWD Architekten, Köln, mit architecture + aménagement, LuxemburgBauzeit: August 2013 bis September 2015