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Schulmensa und Gymnastikraum

… Ludwigsburg

~Jürgen Tietz

Der Erweiterungsbau für eine Mensa samt Gymnastikraum gibt sich zwar als neu zu erkennen, doch zugleich fügt er sich sympathisch unaufgeregt zwischen den Nachbarn ein. Eine Qualität des zweiten Blicks, die zwar selbstverständlich klingt, im gebauten Alltag aber nur selten so souverän erzielt wird.
Zur Straße hin zeigt sich die Schulerweiterung minimalistisch, mit flachem Dach und zwei quadratischen Fenstern in der zauberhaften Ziegelhaut. Deren haptisch wie optisch sinnliche Qualität fußt im handwerklichen Herstellungsprozess der wassergestrichenen Ziegel in Holzformen. Die unregelmäßige weiße Färbung über den sandgelben Steinen verleiht ihnen einen attraktiven Schleier aus Keramikschlemme.
Im November 2011 als Sieger aus einem VOF-Verfahren hervorgegangen, haben Harris und Kurrle eine baurechtliche Voruntersuchung des Stadtplanungsamts entwerferisch noch einmal durchgeknetet. Daraus ist ein dreifach zum Grundstücksinnern abgetreppter Baukörper entstanden (Baukosten: 3,86 Mio. Euro). Große Fensteröffnungen an der schmalen Stichstraße, die zum Pausenhof führt, ermöglichen Sichtbeziehungen in das Gebäudeinnere – hinab in den Gymnastikraum, der so zugleich mit Tageslicht versorgt wird. Zum Hof hin bildet der Baukörper eine Terrasse aus, auf der es sich des Sommers gut die Mittagspause verbringen lässt und die sich zudem für Ansprache oder Vorführung bei Schulfesten eignet. Elegant sind zudem die asphaltierten Außenanlagen gelungen (mit Winkler und Boje, Stuttgart). Sie überwinden geschickt die Höhenunterschiede und bieten Betonstufen als Sitzmöbel. Eine dunkel gefasste Wand schirmt den Eingang der Mensa zum benachbarten Holzschuppen ab.
Hat man die große Glasfront und den Windfang aus heller Eiche passiert, öffnet sich der lichte blau-graue Speisesaal, an dessen Möblierung die Architekten mitwirken durften. Durch das helle Holz hebt sich auch die bündig in die blau-grauen Wände eingelassene Essensausgabe ab. Eine Treppe führt hinab zum Gymnastikraum mit seinen weißen Prellwänden und den kräftig blauen Umkleideräumen. Sagen wir es so: Dort, wo Kinder in einer gut gestalteten Umwelt lernen dürfen, besteht zumindest eine gewisse Chance, dass diese baukulturelle Urerfahrung positiv auf sie abfärbt. In Ludwigsburg bietet sich dafür dank Harris und Kurrles baulicher Lückenschließung jetzt eine exzellente Gelegenheit.
Standort: Gartenstraße 15, 71638 Ludwigsburg Architekten: Harris und Kurrle Architekten, Stuttgart Bauzeit: August 2013 bis September 2015