Gastronomiegebäude »K8«

… Kyoto (JAP) – »K8«

~Ulf Meyer

Fassaden haben in Japan traditionell keine Fenster. Tageslicht wird durch Filter aus Papier und Holzlamellen in die Innenräume geführt. Auf diese Tradition zurückzugreifen muss nicht in Kitsch münden: Das beweist ein kleines, aber feines neues Gebäude in Japans schönster Stadt, Kyoto, im Ausgehviertel Ponto-cho. Der in Tokio ansässige deutsche Architekt Florian Busch hat das K8 genannte Gebäude für ein nur gut 50 m² großes, schmales Grundstück, eingequetscht zwischen zwei hohen Nachbarn, entworfen. Um das Beste aus dem Grundriss herauszuholen, verzichtete er auf einen Fahrstuhl und erschloss alle Ebenen mit einem aufwendig gestalteten Treppenhaus. Über die Gesamthöhe des Gebäudes von fünf Etagen sind alternierende Split-Levels mit Mini-Restaurants und -Bars verteilt: Kunden können einen Parcours »vom Aperitif im EG bis zum Digestif im Penthouse« mit Ausblick auf den nahen Fluss Kamo durchlaufen. Da die Geschosse nicht streng gegeneinander abgegrenzt sind, sprechen die Architekten von »einem kontinuierlichen Raum über acht Etagen«.
Die Wangen der schwarzen Stahltreppen in der Mitte des Gebäudes wurden vorgefertigt und vor Ort verschweißt. In den Interieurs dominieren geschliffene Estrichböden, Sichtbetonwände sowie stählerne Geschossdecken und Stützen. Schlichte Einbaumöbel und Brandschutzplatten erzeugen die Atmosphäre eines veredelten Rohbaus.
Die Straßenfassade des knapp 17 m hohen Gebäudes besteht aus Hunderten von vertikalen Holzlamellen, die in verschiedenen Winkeln montiert wurden: An den Seiten stehen sie so schräg, dass die Fassade fast geschlossen wirkt, in der Mitte hingegen gewähren sie Einblick ins Haus. Für Passanten entsteht so eine Art Moiré-Effekt. Die Aufteilung der Fassaden in einzelne Felder geschah unabhängig von der Lage der Geschosse.
Busch, der nach vier Jahren Mitarbeit im Büro von Toyo Ito 2009 sein eigenes Büro eröffnete, beweist mit dem K8, dass er die Eleganz des Lichteinfalls in der traditionellen japanischen Baukunst meisterhaft adaptieren kann. Da sich in dem Gebäude jedoch überwiegend Bars befinden, wird das K8 fast nur genutzt, wenn die Sonne im Land der aufgehenden Sonne bereits untergegangen ist. Das Geschehen im Innern lässt sich dann nur erahnen, als Flirren hinter den Lamellen.
Standort: Kiyamachidori, Shijo-Kawaramachi, KyotoArchitekten: Florian Busch Architects, TokioFertigstellung: Dezember 2015