Theater- und Konzerthaus »Kilden«

… Kristiansand (N)

~Ulf Meyer

Durch den enormen ölbedingten Wohlstand in Norwegen kommen nun sogar Städte aus der zweiten und dritten Reihe zu aufwendigen nagelneuen Kulturzentren: Kristiansand, ein Städtchen mit etwas mehr als 80 000 Einwohnern, hat sich auf eine kleine Insel in ihrem Hafenbecken eine Kilden genannte Halle mit 24 600 m² Fläche »schneidern« lassen; Kilden bedeutet Quell. Von der Odderøya-Insel aus blickt man auf den Fischmarkt und – etwas unmotiviert – auf ein Containerterminal.
Bei dem Wettbewerb 2005 hatten sich die finnischen Jungstars Ala Architects durchgesetzt. Das Büro war damals noch ein »vierköpfiges Feierabend-Wettbewerbsteam«, wie Line Bergram vom Kilden-Zentrum es ausdrückt, und dieses Projekt ist ihr erster großer Erfolg.
Die ernst-elegante Konzerthalle mit 1 200 Plätzen dient dem kleinen örtlichen Orchester. 750 rot bespannte Plätze hat der mit flirrender Wandgestaltung ausgestattete Saal des Stadttheaters nebenan. Hinzu kommen eine Bühne für Kammerspiele und ein Multifunktionssaal. Alle vier Hallen können simultan genutzt werden und sind akustisch voneinander entkoppelt. Sie sind säuberlich nebeneinander aufgereiht, damit sie auf der Rückseite die Nebenräume gemeinsam nutzen können. Davor liegt das lange, streifenförmige Foyer mit den markanten hölzernen Wellen, die die Haupttreppe und die Ränge umschlingen. Schade, dass man nur eine der hölzernen »Wellen« auch von innen als Raum erleben kann; die anderen enthalten lediglich Lufträume. Ihre Bekleidung aus Eiche reicht durch die gläserne Vorhangfassade hindurch und soll als »Filter zwischen Realität und dem Reich der Fantasie« dienen. Die gewaltige Schräge saugt erst die Blicke und dann die Besucher in Richtung Saal. Die zeichenhafte Ansicht zum Hafen hin ist die einzige bewusst gestaltete: Die anderen drei Fassaden, die die Besucher zunächst zu sehen bekommen und die städtebaulich mindestens ebenso wichtig sind, wurden etwas verlegen mit einem schwarzen Faltmuster ummantelt.
Standort: Sjølystveien 2, N-4610 Kristiansand Architekten: ALA Architects, Helsinki, mit SMS Arkitekter, Kristiansand Übergabe: Oktober 2011 (offizielle Eröffnung: Januar 2012)