Landesgalerie Niederösterreich

Krems, Landesgalerie Niederösterreich

~Wojciech Czaja

Der fünfgeschossige, viel diskutierte Neubau am Ende der Kunstmeile Krems bündelt nicht nur die bisher über das gesamte Bundesland verteilte Kunstsammlungen an einem Ort, sondern stärkt auch die Kunst- und Kulturstadt Krems mit einem markanten Schlussstein. Das Gebäude mit einer Ausstellungsfläche von 3 500 m² steht da, als würde sich ein Würfel um seine eigene Achse sehnsuchtsvoll zum Fluss hin drehen.

»Es war eine ganz bewusste Entscheidung, das Gebäude so auszurichten, dass es sich stark zur Donau orientiert und die dort ankommenden Besucher mit einer großzügigen Geste empfängt«, sagt der Architekt Bernhard Marte. Als Vorbild für den waghalsigen Dreh, der die 22 m hohe Stadtskulptur an der Südseite meterweit ins Nichts hinausragen lässt, diente die Figura Serpentinata von Giambologna, jenes manieristische Gestaltungsmotiv, das ein Objekt von jedem Standpunkt aus unterschiedlich erscheinen lässt – in Krems mal bedächtig und schwer, mal tänzerisch leicht. Elke Delugan-Meissl, Juryvorsitzende des 2015 entschiedenen, EU-weiten, zweistufigen Architekturwettbewerbs spricht ebenso wie die Medien und die ortsansässige Bevölkerung von der »Tänzerin von Krems«.

Zwar kann man die rund 7 200 Fassadenschindeln aus Titanzink als schillerndes Paillettenkleid interpretieren, doch in Kombination mit den flach überwölbten, mehr als 30 m breiten Bogenfenstern und den darin montierten, sphärisch gekrümmten Gläsern ergibt sich eine technisch wie ästhetisch doch sehr angestrengt wirkende Architektur, die so gar nicht zur gewohnten Askese und zum Minimalismus des preisgekrönten Vorarlberger Architekturbüros passt. Umso größer ist die Freude am spektakulären Treppenhaus, dessen eckig betonierte Doppelhelix an die Zeichnungen von M. C. Escher erinnert.

Während EG und 3. OG (mit eingeschnittener Aussichtsterrasse) von Tageslicht durchflutet sind, verbleiben die anderen OGs sowie das unterirdisch an Adolf Krischanitz‘ Kunsthalle angeschlossene UG in der Dunkelheit musealer Triple-A-Anforderungen für lichtempfindliche Werke.

Die geneigten Wände sowie die räumliche Anordnung der Säle um vier unterschiedliche Erschließungspunkte herum nehmen die Ausstellungsmacher als Herausforderung an. Auf die architektonischen Kür des
35 Mio. Euro teuren Gebäudes folgt nun die kuratorische Pflicht.

Standort: Museumsplatz, A-3500 Krems an der Donau
Architekten:
Marte.Marte Architekten, Feldkirch
Bauzeit:
Juni 2016 (Spatenstich) bis März 2019 (Eröffnung)