Wohnbebauung »8 House«

… Kopenhagen (DK)

~Klaus Englert

Als Bjarke Ingels den Auftrag erhielt, am südlichen Rand von Örestad eine Blockrandbebauung entlang der Erschließungsstraße und der Metrolinie zu errichten, mussten ihm schnell Zweifel gekommen sein. Er scheute vor eintöniger Bebauung zurück und befürchtete riesige leere Innenhöfe, die die Bewohner lediglich als Alibigrün empfinden würden. Ingels, der Rem Koolhaas‘ Credo der Bigness wie kein anderer verinnerlicht hat, entwarf daher eine Stadt in der Stadt: ein monumentales, elfgeschossiges Gebäude für 475 Wohnungen, das im Grundriss eine 8 nachzeichnet. Die eigentliche Attraktion des »8 House« sind die begrünten Dächer, die waghalsigen Treppen an der äußeren Fassade und die breiten Rampen, die als öffentlicher Parcours die einzelnen Wohnbereiche erschließen und die Gebäudehälften am Knotenpunkt durchschneiden. Hinzu kommen unterschiedlich gestaltete Innenhöfe, die im Süden mit grünen Terrassen und im Norden mit runden Grashügeln gestaltet sind. Unverhofft durchzieht auch ein Fußweg den Riesenkomplex und vereinfacht den Zugang zu den Wohnungen.
Das »8 House«, in dem einer Maßgabe der Stadtverwaltung gemäß keinerlei Stellplätze vorgesehen sind, ist zwar das größte skandinavische Wohnungsprojekt, die Architekten konnten aber dennoch ein erstaunlich hohes Maß an differenziertem Wohnraum durchsetzen. Es gibt 125 verschiedene Wohnungstypen, wahlweise als Maisonette, mit Vorgarten oder Dachterrasse. Schließlich kommen zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen hinzu. Im Projektteam wurde lange diskutiert, wie sich die Vorteile der außergewöhnlichen Gebäudestruktur weiterhin verbessern lassen. Man entschied, den Gebäudeverlauf im Süden drastisch abzusenken, um die Ausbeute an Tageslicht zu erhöhen und den Ausblick auf das Naturschutzgebiet zu nutzen. Den im Sockelgeschoss untergebrachten Büros wollte man diese Privilegien nicht einräumen und verbannte sie in den hinteren, verschatteten Teil. Der eigentliche Clou ist das an der südlichen Gebäudespitze eingerichtete Café, das überraschende Ausblicke über den See und das grüne Amager gestattet.
Standort: Richard Mortensens Vej 61, DK-2300 Kopenhagen Architekten: BIG – Bjarke Ingels Group, Kopenhagen Fertigstellung: Oktober 2010