Johann-Sebastian-Bach-Saal, Kšthen, Architekten: Busmann und Haberer, Fertigstellung 2008[©(c)Werner Huthmacher
Johann-Sebastian-Bach-Saal Schloss Köthen

… Köthen

~Matthias Grünzig

Köthen ist eine Kleinstadt in Sachsen-Anhalt, in der Johann Sebastian Bach zwischen 1717 und 1723 als Hofkapellmeister wirkte. 1998 versprach der niederländische Unternehmer Drewes Hielema den Ausbau der Stadt zu einem internationalen Musikzentrum – mit einer Bach-Akademie für junge Musiker, vier Musikfestivals pro Jahr, CD- und Rundfunkaufnahmen. Im Zusammenhang mit diesen Plänen erfolgte auch der Umbau der 1821 errichteten und 1941 ausgebrannten Reithalle zu einem Konzertsaal. Am Anfang der Arbeiten stand eine Ruine, die vor allem aus den Außenmauern mit Rundbogenfenstern und gewaltigen Voluten bestand und noch im ruinösen Zustand vom Können ihres Schöpfers Christian Gottfried Bandhauer kündete. Ein originalgetreuer Wiederaufbau kam allerdings nicht in Betracht, weil das für die Akustik so wichtige Raumvolumen dann zu gering gewesen wäre. Eine akustisch befriedigende Lösung brachte schließlich eine Stahlbetonhaube, die mit Hilfe von innen errichteten Stahlstützen auf die Außenmauern aufgesetzt wurde. Ihre unregelmäßige Textur aus Eternit-Platten lockert die kompakte Fläche auf. Dank dieses Kunstgriffes wirkt die Haube trotz ihrer Dimension keineswegs erdrückend. Im Innern wurde der 440 Zuhörer fassende Konzertsaal betont schmucklos gestaltet. Er erhielt eine schlichte Verkleidung aus Zedernholz, die im Bereich der Rundbogenfenster in Form von Lamellen ausgeführt wurde und deshalb gedämpftes Licht in den Saal lässt. Der Fußboden wurde mit Parkett aus dunklem Eichenholz belegt. Diese Gestaltungsmittel schaffen eine ernste, fast schon sakrale Atmosphäre, die die Konzentration der Zuhörer auf die Musik fördert. Das Foyer und kleinere Veranstaltungsräume konnten in der benachbarten, 1833 errichteten Remise untergebracht werden. Das Ergebnis der 8,5 Millionen Euro teuren Arbeiten ist ein anspruchsvoller Konzertsaal, der eine gute Akustik bietet. Dennoch finden in dem Saal nur selten Konzerte statt. Denn die großen Pläne für ein Musikzentrum in Köthen sind schon 2005 geplatzt. Den benachbarten Marstall von 1766 hat es allerdings noch ärger getroffen. Er wurde zur Musikakademie umgebaut und steht nun leer.
Standort: Schlossplatz 4 Architekten: Busmann + Haberer, Berlin Eröffnung: März 2008