Immanuel-Kirche der Brückenschlag-Gemeinde

… Köln-Flittard

~Jürgen Tietz

Die Zahl der konfessionell gebundenen Christen im Lande schrumpft. Signalwirkung besitzt es darum, wenn zwei Gemeinden nach ihrer Fusion und dem Abriss der alten Kirchen aus den 50er und 60er Jahren gemeinsam eine neue bauen. In Köln-Flittard ging man noch einen Schritt weiter und lobte einen Architektenwettbewerb aus. Den siegreichen Architekten schwebte zunächst ein Betonbau vor. Doch die beschränkten finanziellen Möglichkeiten ließen nur eine Kirche aus Holz zu, die in Teilen kaum mehr als den Rohbauzustand zeigt. Als Mangel erweist sich dies jedoch nicht, denn Sauerbruch Hutton haben für rund 3,5 Mio. Euro einen eindrucksvollen Sakralbau geschaffen. Ihr Ensemble aus Gotteshaus, Kapelle und Glockenturm fügt sich in einen vorhandenen parkartigen Ring aus Bäumen. Zur Straßenseite gibt sich der Neubau mit seiner diagonalen Holzverschalung eher zurückhaltend. Dabei ist mit der Immanuel-Kirche eine Neuinterpretation der tradierten dreischiffigen Basilika entstanden. Dominierte seit den 60er Jahren bei der Gestaltung evangelischer Gemeindezentren das Soziale über das Sakrale, so wird in Köln ein Weg zurück zum »heiligen Raum« beschritten. Dafür sind die Gemeindenutzungen mit Versammlungs-, Band- und Spielraum in den niedrigeren »Seitenschiffen« zusammengefasst. Zusammen mit dem schräg aus der Fassade hervorgeschobenen Foyer können sie bei Bedarf zum eigentlichen Kirchenraum dazugeschaltet werden. Das schlanke Mittelschiff wird durch seine sichtbare hölzerne Tragstruktur rhythmisiert. Eine wunderbar pure Empore ergänzt den Raum. Sie öffnet sich zu einer großen transluzenten Glasfläche, in der die Erinnerung an die Rosetten mittelalterlicher Kirchen mitschwingt. So entsteht ein heller, hoher und atmosphärischer Kirchenraum von beeindruckender Konzentration. Seinen Blickfang bildet eine lamellenartige Altarwand aus farbigen Hölzern, vor der sich Altar, Kanzel und Taufbecken aus einer der beiden alten Kirchen aufbauen. Hinter dem hölzernen Schirm verbirgt sich die ebenfalls übernommene Orgel. Sanft verblassen die Farben der Hölzer zur Decke, was durch ein Oberlicht über dem Altar noch verstärkt wird. Wenn dann auch noch das Spiel der Orgel einsetzt, meint man vor einer klingenden Farbwand zu sitzen, an einem besonderen Ort, der den Besucher weit über den Alltag hinaushebt.
Standort: Bonhoefferstraße 8, 51061 Köln Architekten: Sauerbruch Hutton, Berlin Bauzeit: Mai 2012 bis März 2013