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Foto: Thomas Mayer_Archive, Neuss
Berlin-Mahlsdorf

Integrierte Sekundarschule

~Ulf Meyer

In der Schule mitten im Plattenbau-Viertel Berlin-Marzahn ist alles aus Holz: Decken und Böden, Stützen, Wände und Möbel, Handläufe und Brüstungen bestehen aus Fichte, Eiche oder Buche. Das dreigeschossige Gebäude mit einer BGF von 9 090 m² ist ein Typen- und Modulbau, alle Räume basieren auf den Abmessungen eines vorgefertigten Raum-Moduls, das auf ein Bausystem aus Vorarlberg zurückgeht. Die Fassade aus Aluminium-Paneelen verrät wenig von den hölzernen Interieurs und Atmosphären in der Schule. Die Architekten Nicole Kerstin Berganski und Andreas Krawczyk haben dem Baukörper eine langgestreckte, mäandrierende Form in Nord-Süd-Richtung gegeben, die attraktive halboffene Höfe bildet und an ein »gepixeltes Seepferdchen« erinnert, wie die Architekten es nennen. Runde Oberlichter und Leuchten mildern die streng orthogonale Logik der Flur-Schule. Die quadratischen Klassenräume orientieren sich nach Osten und Westen, Büros und Fachräume liegen an den Schmalseiten. Die Holzmodulbauweise schafft mit warm und nordisch-wohnlich wirkenden Holzoberflächen ein besonderes Raumklima, wird allerdings sicher bald schon Gebrauchsspuren zeigen.

Um den Brandschutzauflagen zu genügen, verfügen die Klassenräume über bodentiefe, öffenbare Fenster, die Schüler können im Brandfall aber auch durch separate Türen über eine Enfilade der Nachbarräume zum nächsten Fluchttreppenhaus gelangen.

Die Sporthalle nebenan ist von zwei ineinander verschränkten Pultdächern geprägt. Die Dachneigung des Nebenraumtrakts läuft der Neigung des Hallendachs entgegen. Träger und Decke bestehen aus Brettsperrholz. Ein Oberlichtband holt Nordlicht in die nüchterne, sauna-artige Holzhalle. Auch hier sind alle Oberflächen sicht- und erlebbar und auch hier versteckt die Fassade aus Aluminium-Blech die Qualitäten im Innern. Fluchttreppen und Pausenecken in den überbreiten Fluren sind in knalligen Farben lasiert.

Der Berliner Senat, der den Bevölkerungszuwachs und den neuen Kinder-Reichtum in Berlin lange sträflich verschlafen hat, erhofft sich von NKBAKs Systembau eine schnelle Kur des hauptstädtischen Schulbau-Notstands. Die jungen Frankfurter Architekten haben der schnellen, trockenen und leisen Bauweise und der daraus resultierenden »material-lastigen Architektur« viele Qualitäten abgerungen. Nach dem Testlauf am äußersten Stadtrand soll die Bauweise nun flächendeckend in Berlin angewandt werden. Das passiert bereits – NKBAK haben schon mehrere Folgeaufträge bekommen.

Standort: An der Schule 41-59, 12623 Berlin
Architekten:
NKBAK, Frankfurt a. M.
Bauzeit:
August 2018 bis August 2019

Budget: 34,8 Mio. Euro