Kunstmuseum »Amos Rex«

… Helsinki (FIN)

Das private Kunstmuseum liegt unter einem der bekanntesten Plätze in der finnischen Kapitale: dem Lasipalatsi-Platz nahe dem Hauptbahnhof, hinter dem »Glaspalast«, der 1936 nach Entwurf von Viljö Revell eingeweiht worden war, als Vorbote der Olympischen Spiele 1940, die dann aber kriegsbedingt abgesagt werden sollten. Um aus dem Lasipalatsi ein Museum zu machen, konnten die Architekten nicht anders als die Kunsträume in den Granit-Fels zu sprengen, auf dem das Zentrum von Helsinki steht. Fünf große, unterschiedlich geformte Kuppeln aus Stahlbeton bringen Tageslicht in die Tiefe und schaffen zugleich oben eine »urbane Landschaft«, die dazu einlädt, auf die Lichtaugen zu klettern und auf den flacheren Partien zu lagern oder Skateboard zu fahren. Die Platzgestaltung mit ihren Angeboten und dem robusten Belag aus stellenweise gelb eingefärbten Betonsteinen wird bereits gut angenommen. Der Architekt Asmo Jaaksi, das J in JKMM, wollte Helsinki mit seinem Entwurf »um einen Platz für jedermann bereichern«. Das ist ihm zweifellos gelungen.

Gegründet wurde das größte Privatmuseum in Finnland einst von dem Verleger Amos Anderson (1878-1961). Der Name des neuen Kunstmuseums wurde aus den auffälligsten Namensbestandteilen von Kino Rex und Amos Anderson Museum zusammengesetzt. Das Kino, ein Teil des Lasipalatsi, wird heute für Filmvorführungen des Museums und als Programmkino genutzt. Die Ausstellungsräume befinden sich im unterirdischen Neubautrakt. Wirken so manche unterirdischen (Museums-)Räume schnell beengt und klaustrophobisch, schaffen beim Amos Rex Tageslicht und die bewegten Raumformen einen Eindruck von Weite. Die bis zu 10 m hohen Galerien sind stützenfrei und zeigen weiße Wände, schwarzes Parkett aus Kiefer und Decken, die aus Tausenden von weiß bespannten Metallscheiben bestehen. Die kreisrunden Oberlichter katapultieren an sonnigen Tagen Lichtpunkte in die Ausstellungsräume, was den Kuratoren noch viel Kummer bereiten wird. Bereits bei der Eröffnungsausstellung waren sie abgeklebt.

~Ulf Meyer

Standort: Mannerheimintie 22-24, FIN-00100 Helsinki
Architekten:
JKMM, Helsinki
Bauzeit:
Januar 2016 bis August 2018 (Eröffnung)