Nachbarschaftszentrum Maunula-Haus

… Helsinki (FIN)

~Ulf Meyer

Die finnische Baukultur lebt vom hohen Niveau alltäglicher Bauaufgaben, darunter viele öffentliche. Hier wird selbst der Bau eines einfachen Nachbarschaftszentrums von Bauherren und Architekten mit großer Sorgfalt betrieben. Im Stadtbezirk Maunula im Norden der Hauptstadt wurde eine Bibliothek mit einem Jugendzentrum und einer Volkshochschule kombiniert. Drei verschiedene Ämter der Stadt haben dafür ihre Baubudgets zusammengeführt, Partizipationsworkshops initiiert und diese von den Architekten moderieren lassen.

Das Gebäude nach Entwurf von K2S, denen zuvor mit der Kapelle der Stille ein Welterfolg gelungen war (s. db 8/2012, S. 59), schließt an die Fassade eines benachbarten Supermarkts an und verdeckt diesen dadurch gnädig in Richtung der anschließenden Grünfläche. Der Eingang liegt mittig auf der Parkseite, das Jugendzentrum hat einen separaten Zugang. Die hölzernen Decken in Form langer, spitzer Winkel geben der Bibliothek einen typisch finnisch-blonden Raumeindruck. Zum Park hin öffnet sich die Bücherei mit einer großen Glasfassade mit Stahlrahmen, um Tageslicht einzufangen und weite Panorama-Blicke nach Westen zu erlauben. Der größte Raum ist die Metsäpuro-Halle (Wald-Bach-Halle) mit einem Café, das von Jugendlichen geführt wird. Die Räume der VHS im OG sind um ein Foyer herum gruppiert, das von einem zitronen-gelb gestrichenen Oberlicht illuminiert wird und so eine auratische Raumwirkung entfaltet. Vom Parkdeck nebenan gibt es einen direkten Zugang. Die Sichtbetonwände kontrastieren mit den Flächen aus lasierter Kiefer und sorgen dafür, dass das Maunula-Haus nicht zu urig wird. Das Tragwerk aus Stahlbeton und Stahl ist so geschickt mit Holzoberflächen bekleidet worden, dass Innen- und Außenfassaden nahtlos ineinander überzugehen scheinen.

Standort: Metsäpurontie 4, FIN-00630 Helsinki
Architekten:
Arkkitehtitoimisto K2S, Helsinki
Bauzeit:
August 2013 bis Januar 2017